Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Barfüßer

Von: Prof. Dr. Wilhelm Liebhart (1-2) / Günther Grünsteudel (2) (Stand: 29.7.2009)

  • 1) Kloster. Bereits 1221, also noch zu Lebzeiten des hl. Franz von Assisi († 1226), kamen die ersten Franziskaner nach Augsburg, um von hier aus dessen Armutsideal in Deutschland zu verbreiten. Ein Konvent ist erstmals 1251 bezeugt. Trotz notdürftiger Unterbringung im Handwerkerviertel unterhalb des Perlach entfalteten die Barfüßer, wie sie im Volksmund genannt wurden, von Anfang an eine gewaltige Aktivität. Prediger wie Berthold von Regensburg und David von Augsburg predigten vor großen Menschenmengen. Die frühen Rechtssammlungen des 13. Jahrhunderts wie Deutschenspiegel, Schwabenspiegel oder das Augsburger Stadtrecht von 1276 dürften im Kloster entstanden sein. Besonders die Familien Ridler, Langenmantel und Egen förderten die sogenannten Minderbrüder (Minoriten). Die Terziarinnenklöster Maria Stern, St. Clara an der Horbruck und St. Martin wurden von den Barfüßern seelsorgerisch betreut. Durch die Predigten Johannes Schillings seit 1524 wurde die Barfüßerkirche zu einem der beiden Zentren reformatorischen Neubeginns in Augsburg. Im selben Jahr begann Michael Keller, hier zwinglianisch zu predigen. 1526 löste sich der Konvent auf, der letzte Guardian wurde Weltgeistlicher, einige Mitbrüder heirateten. Die Kirche wurde zum Zentrum der Augsburger Zwinglianer. 1535 übertrug der Rat die Gebäude des ehemaligen Barfüßerklosters der Jakobspfründe (Paritätischen St. Jakobsstiftung). Kaiser Karl V. versuchte vergeblich, die Barfüßer wieder nach Augsburg zu holen. Ein weiterer Versuch ab 1629 scheiterte gleichfalls. Die Ideen des hl. Franz von Assisi lebten jedoch in den neuen Klöstern der Kapuziner und Franziskaner zum Hl. Grab weiter.
  • 2) Kirche und evangelische Pfarrei ‚Zu den Barfüßern’ (Mittlerer Lech 1; Pfarrbüro: Kanalstraße 2). Der früheste Kirchenbau, eine der Jungfrau Maria geweihte einschiffige Basilika mit polygonalem Chor von 1265, wurde 1389 durch Brand zerstört. 1407/11 Neubau einer dreischiffigen gotischen Basilika mit überlangem Chor. 1724 Barockisierung der seit 1535 protestantischen Kirche (endgültig protestantisch 1649). Seit 1814 Pfarrkirche. Im Februar 1944 völlige Zerstörung des Langhauses. Der in seiner Architektur erhalten gebliebene ehemalige Mönchschor dient heute als Pfarrkirche und beherbergt die wenigen geretteten Ausstattungsstücke u. a. von Nicola Grassi, Georg Petel, Joachim von Sandrart wie auch die Grabplatte Ulrich Rehlingers und seiner Frau Elisabeth Egen-Königseck (1407). Die berühmte Liegefigur des hl. Alexius von Sebastian Loscher und Hans Burgkmair (1513) kam schon vor dem Bildersturm nach Schloss Erbach (seit 1992 im Maximilianmuseum). Ebenfalls erhalten ist der sich an das ehemalige südliche Seitenschiff anschmiegende Kreuzgang (15. Jahrhundert). Die evangelisch-lutherische Pfarrei ‚Zu den Barfüßern’, die als die älteste in Augsburg gilt, zählt heute 1542 Gemeindemitglieder (Stand: 1.1.2009).
  • Barfüßerstraße entlang der Barfüßerkirche, trennt die Stadtbezirke Jakobervorstadt-Nord und -Süd (Amtlicher Stadtplan K 8).

K. Haupt, Ehemalige franziskanische Niederlassungen in Augsburg, in: Bavaria Franciscana Antiqua 5, 1961, 342-525; Horst Jesse, Die evangelische Kirche ‚Zu den Barfüßern’, 1982; Thomas Balk, Kirche „Zu den Barfüßern“, Augsburg, 1994; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, 84-91.

Barfüßerkirche



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