Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Crophius

(Croph)

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 9.1.2012)

  • 1) Johann Baptist, * um 1660 Augsburg, † 1722, Verfasser historischer und polemischer Schriften. Älterer Sohn von Johann Crophius (* 7.6.1636, † 8.1.1686 Augsburg), seit 1657 Lehrer am Gymnasium bei St. Anna und ab 1666 Rektor des Anna-Kollegs. Studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Straßburg (1680) und Jena (1682 Magister, 1684 Promotion). Seit 1686 Lehrer bei St. Anna. Am 14.12.1689 während des Besuchs Kaiser Leopolds I. in Augsburg Ernennung zum kaiserlichen Pfalzgrafen 'von Kayserssieg' (Joseph I.). 1690 Entlassung bei St. Anna auf eigenen Wunsch. In der Folge ausgiebige Reisetätigkeit bis nach England. Durch Aufenthalte u. a. in Halle bei August Hermann Francke (1792) und in Berlin (1792/93), wo er u. a. als Hauslehrer bei Philipp Jakob Spener angestellt war, enge Kontakte zum Pietismus. 1694 in Erfurt Übertritt zum Katholizismus; Studium der katholischen Theologie in Würzburg. Später Kanonikus in Wien, wo 1700 sein 'Warhafft- und Gründlicher Bericht von der unter den Lutheranern neuentstandenen Sect, Welche, der Pietismus [...] genennt wird' erschien, in dem er u. a. die Nähe einiger Pietisten zum Katholizismus betont. 1710 kam in Augsburg seine Schrift 'Unwidersprechliche Schluß-Reden Von Unfehlbarkeit Der sichtbaren Catholischen, Und Nichtigkeit Der unsichtbaren vor Luthero vermeinten Lutherischen Kirchen Sambt einem Anhang Von der Pietisterey' heraus.

  • 2) Philipp Jakob, * 3.9.1666 Augsburg, † 23.9.1742 Augsburg, Rektor des Gymnasiums bei St. Anna, Stadtbibliothekar. Bruder von 1). Nach dem Besuch des Gymnasium bei St. Anna ab 1686 Studium der Theologie und Philosophie in Jena (1688 Magister) und Leipzig (1688/89). Im Juli 1690 in Augsburg Krönung zum 'poeta laureatus' durch seinen Bruder als kaiserlicher Pfalzgraf. Februar 1690 bis Sommer 1695 Hauslehrer beim Grafen Georg Hannibal von Egk und Hungersbach in Regensburg. Seit Juni 1695 Lehrer am Anna-Gymnasium in Augsburg, ab 1704 Rektor des Gymnasiums und Stadtbibliothekar. 1697 Eheschließung mit Regina Rosina Harder, Tochter des Pfarrers bei St. Anna und Senior ministerii Andreas Harder (13 Kinder). Schwiegervater Johann Jakob Bruckers. Andere Töchter heirateten in die Künstlerfamilien Biller und Thelott ein. Verdienste um die Sicherung der Stadtbibliothek während des Bombardements der Stadt im Jahr 1703 im Spanischen Erbfolgekrieg, wobei die Bestände in Unordnung gerieten. 1722 innerer Umbau der Bibliothek. Richtete 1726 den unteren Saal des Bibliotheksgebäudes als Schultheater ein (letzte Vorstellung 1737). Verfasste u. a. Theaterstücke, Gelegenheitsgedichte (Hochzeiten, Beerdigungen etc.), Berichte über die Belagerung und Besatzung Augsburgs 1703/04 (1705, 1710), über das 400-jährige Jubiläum des Anna-Gymnasiums (1731) sowie eine Geschichte des Gymnasiums (1740). 1739 Ehrenmitglied der Jenaer Lateinischen Gesellschaft. Grabplatte in St. Anna.

Philipp Jakob Crophius, Kurtze und gründliche Historische Erzehlung von dem Ursprung, Einrichtung & Schicksalen deß Gymnasii zu St. Anna in [...] Augspurg, 1740, 250-256; Johann Jakob Brucker, Miscellanea historiae philosophicae literariae criticae [...], 1748, 513-533; Christian Gottlieb Jöcher, Allgemeines Gelehrten-Lexicon 1, 1750, 2214; Bibliotheca Augustana 9, 1792, 19-37; Clemens Alois Baader, Lexikon verstorbener Baierischer Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts 1, 1824, 88 f.; Allgemeine deutsche Biographie 4, 1876, 609; Karl Köberlin, Geschichte des humanistischen Gymnasiums bei St. Anna in Augsburg 1531-1931, 1931, 201-225; Richard Schmidbauer, Die Augsburger Stadtbibliothekare durch vier Jahrhunderte, 1963, 169-185; Deutsches Literatur-Lexikon 2, 31969, 845 f.; Franz Heiduk / Günter Merwald, Erdmann Neumeister: De poetis germanicis, 1978, 316; Dietrich Blaufuß, 'Pietismus catholicans'? Ein Hinweis auf Johann Baptist Crophius, in: Grenzgänge. Literatur und Kultur im Kontext, 1990, 465-478; John L. Flood, Poets laureate in the Holy Roman Empire 1, 2006, 381-386.

Philipp Jakob Crophius



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