Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Deffner

Von: Dr. Heinz Münzenrieder (1) / Dr. Marita A. Panzer (2) (Stand: 26.3.2010)

  • 1) Wilhelm, * 12.5.1871 Deiningen/Ries, † 12.5.1977 Augsburg, Textilgewerkschafter, Sozialdemokrat. Der Sohn einer Dienstmagd wuchs im Evangelischen Waisenhaus Augsburg auf. 1885 Arbeitsaufnahme in einer Augsburger Textilspinnerei. Auf Grund seiner politischen Gesinnung 1886 fristlose Entlassung. 1891 Eintritt in die SPD und 1898 in den Textilarbeiterverband. 1901 Eintragung in die 'Schwarze Liste' der Unternehmer in Schwaben mit der Konsequenz dauernder Arbeitslosigkeit. Konnte dem durch Übernahme einer hauptamtlichen Tätigkeit in der Augsburger Sektion des Textilarbeiterverbandes entgehen. 1902 Heirat mit Aurelia Wagner. 1904 Vorsitzender des sozialdemokratischen Gewerkschaftsvereins in Augsburg. Aufbau der Geschäftsstelle des Textilarbeiterverbandes Südschwaben (Allgäu) in Kempten und 1910 Übernahme der dortigen Bezirksleiterstelle. 1914 Stadtrat in Kempten (SPD). Wurde 1918 zum Vorsitzenden des Kemptener Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrats gewählt. Unterstützte nach der Ermordung des Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner die neu gebildete Regierung Johannes Hoffmann (SPD). 1918 Wahl in den Provisorischen Bayerischen Nationalrat und Landesleiter des Deutschen Textilarbeiterverbandes für Bayern. Ende 1919 Rückkehr nach Augsburg. Zog sich 1924 aus der aktiven gewerkschaftlichen und politischen Arbeit zurück. Aufbau einer Textil-Großhandelsfirma. 1936 Eintritt in den Ruhestand. Anlässlich seines 100. Geburtstages wurde er von Bundeskanzler Willy Brandt nach Bonn eingeladen. Dabei Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und Rede vor der SPD-Bundestagsfraktion.

  • 2) Aurelia, * 10.12.1881 Handzell/Pöttmes, † 29.6.1959 Augsburg, Gewerkschafterin. Uneheliche Tochter einer Dienstmagd. Weberin in einer Augsburger Textilfabrik, trat schon 1900 dem Deutschen Textilarbeiterverband bei. 1901 Mitbegründerin und Vorsitzende des Sozialdemokratischen Bildungsvereins für Frauen und Mädchen. Heiratete 1902 den Gewerkschafter Wilhelm Deffner (zwei Kinder). Nach Aufgabe ihrer Stelle 1904 ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedenen Funktionen. 1908 Vorstandsmitglied der Augsburger SPD. 1910 Umzug nach Kempten. Übernahm 1917, als ihr Mann zum Kriegsdienst einberufen wurde, die Geschäftsführung der Gewerkschaft des Allgäuer Textilbezirks. 1919/20 Mitglied des Bayerischen Landtages für den Wahlkreis Kempten-Sonthofen als eine der ersten Frauen in Bayern. Starb nach langer Krankheit.

(1) Dieter Lattmann: Wilhelm Deffner, in: Vorbilder für Deutsche, 1974, S. 96-106; Geschichte der Stadt Kempten, 1989, S. 407 ff.; Augsburger Allgemeine 12.5.1971, 13.5.1977.
(2) Schwäbische Landeszeitung 4.7.1959; Frauenleben in Bayern von der Jahrhundertwende bis zur Trümmerzeit, 1993, 59; Wilhelm Heinz Schröder, Sozialdemokratische Parlamentarier in den Deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933, 1995, 406; Marita A. Panzer / Elisabeth Plößl, Bavarias Töchter, 1997, 261-264.



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