Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Deutscher Gewerkschaftsbund, Region Augsburg

(DGB, Am Katzenstadel 34)

Von: Dr. Josef Mančal / Dr. Heinz Münzenrieder (Stand: 1.4.2010)

  • Dachorganisation zur Wahrung und Vertretung der gemeinsamen wirtschafts-, sozial- und kulturpolitischen Interessen der in Augsburg vertretenen acht Mitgliedsgewerkschaften: Die Industriegewerkschaft  Bauen-Agrar-Umwelt, die Industriegewerkschaft  Bergbau-Chemie-Energie, die Gewerkschaft ver.di, die Industriegewerkschaft Metall, die Gewerkschaft TRANSNET, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Gewerkschaft Nahrung-Genussmittel-Gaststätten und die Gewerkschaft der Polizei. Die DGB-Region Augsburg hat ca. 58.000 Mitglieder (etwa 1/3 in der IG Metall), für die diese u. a. Rechtsberatung und -vertretung durchführt; sie betreut neben dem Stadtgebiet die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donauwörth. Weltweite Globalisierung und Marktveränderungen führten auch in Augsburg mit dessen  früher dominierenden Textil- und Großmaschinenbetrieben zu einem merklichen Abbau von Industriearbeitsplätzen und damit auch zu entsprechenden Umstrukturierungen bei den Gewerkschaften, dies oft verbunden mit einem Rückgang der Mitgliederzahl.

    Nach den um 1848 entstandenen und zumeist unpolitischen Arbeiterbildungsvereinen kam es am 29.3.1864 in Augsburg im Auftrag Ferdinand Lassalles zur Gründung einer örtlichen Organisation des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV). 1867 übernahm Leonhard Tauscher, der bedeutendste Augsburger Gewerkschafter der Frühzeit, die Leitung des ADAV und gleichzeitig die der ersten Augsburger Gewerkschaft, der des Buchdruckervereins. 1868 folgten die Gewerkschaften der Metallarbeiter, Schuhmacher, Schneider, Maler und Lackierer, Holzarbeiter und Zimmerleute, Manufaktur- und Fabrikarbeiter, sowie 1869 eine Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Maurer- und Steinhauer-Bundes und eine Sattlergewerkschaft.

    1869 wurde in Augsburg eine die Tätigkeit der Einzelgewerkschaften koordinierende Organisation (Gewerkschaftsverein) ins Leben gerufen, die 1875 mit der Augsburger Gewerkschaftskommission zur festen Institution wurde (Leiter: 1902 Karl Wernthaler, 1904 Wilhelm Deffner). Bereits mit dem Sozialdemokratischen Arbeiterkongress vom 23./24.1.1870 war die Abspaltung des ADAV und Gründung eines Allgemeinen Sozialdemokratischen Arbeitervereins mit Zentralsitz in Augsburg erfolgt, der im Zuge der Sozialistengesetze (1878-1890) verboten wurde. 1890 Gründung der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, dem ersten organisatorischen Zusammenschluss der freien Gewerkschaften. Ab 1900 deutlicher Strukturwandel bei den Mitgliedern. Waren es vorher zumeist Handwerker, so überwogen mit zunehmender Industrialisierung immer mehr die Fabrikarbeiter. 1919 übernahm der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) bis zu seinem Verbot im Mai 1933 die Aufgaben der Generalkommission. Am 17.10.1945 Zulassung der Allgemeinen Freien Augsburger Gewerkschaft durch die Militärregierung; Gründungsfeier am 18.11.1945 im Ludwigsbau. Am 12./14.10.1949 Gründungskongress des DGB in München. 1995 wurden die DGB-Kreise Nordschwabens mit dem Kreis Augsburg zur DGB-Region Augsburg zusammengelegt.

Volker Dotterweich, Die bayerische Ära 1806-1870, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 551-568; Marion Magg-Schwarzbäcker / Ulrich König, Spurensicherung, 1985, 229 ff.; Wolfgang Kučera / Lutz Tietmann, Geschichte der Gewerkschaften in Bayern, 1995, 43 f.; Susanne Mutert, Die bayerischen Gewerkschaften im 19. Jahrhundert, 1997.



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