Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Egen

(von Argon), Kaufmanns-, Adelsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1342-1532 in Augsburg nachweisbar; Herrenstube (Stubenzettel 1416); 1442 Reichsadel. Die von Stetten behauptete Zugehörigkeit zum Patriziat vor 1368 lässt sich weder belegen noch durch Indizien erhärten. Wohl schon ab 1368 (belegt 15. Jahrhundert) zählte die Familie zur Kaufleutezunft. Als Persönlichkeit tritt zuerst Peter (I, † 29.6.1394) hervor, der ab 1373 viermal Stadtpfleger war. 1363 erstmals in den Steuerbüchern fassbar, wird er aber schon 1342 mit seinen Brüdern und dem Vater Liupold (I, † 1346/51) als Achtklä­ger genannt. Peter (I) zählte zu den bedeutendsten Augsburger Kaufleuten, wobei sowohl Warenhandel wie Geldgeschäfte fassbar sind. Seinen Reichtum belegt u. a. der Erwerb der Reichslehen Schwabmühlhausen und Westerkitzighofen sowie des Hochstiftslehens Erringen. Die ab 1380 in seinem Haus genannten Brü­der Karl (I, * um 1355/60 † 24.6. 1396/98), Lorenz (I) und Gilg Egen († 1393/94?) waren wohl seine Neffen. Ihre Eltern sind bislang nicht identifiziert; erschließen lässt sich aber eine zweite Ehe der Mutter von Lorenz, da Bartholomäus (III) Welser als (Stief-) Bruder bezeichnet wird. Offensichtlich arbeiteten die Brüder mit Peter (I) zusammen und übernahmen nach dessen Tod die Firma. Teilhaber war, nachdem er 1394 die Erbtochter Peter Egens geheiratet hatte, auch Ulrich (IV) Rehlinger. Als weitere Mitarbeiter lassen sich Bartholomäus (III) Welser, der (Stief-)Schwager Hans Prun und Nikolaus Winter fassen. Karl und Lorenz Egen sowie Ulrich Rehlinger leisteten 1388-1400 für die Stadt Augsburg Zahlungen auf den Frankfurter Messen. Schon 1391 Geschäftsverbindungen mit dem Kölner Kaufmann Prun von Monheim, später mit dem Wechsler Johann von Monheim, der 1402 in Konkurs ging. Für Lorenz Egen sind ab 1385 mehrere Aufenthalte in Venedig belegt; Karl und Lorenz sind ab 1393 u. a. als Barchentverleger in Nördlingen tätig; außerdem Verbindungen nach Nürnberg und Konstanz. Die Egen-Gesellschaft betrieb wohl in begrenztem Umfang neben Warenhandel auch Bankgeschäfte. Vor 1414 schieden Welser und Prun aus und gründeten eine eigene Handelsgesellschaft. Nach dem frühen Tod Karls, der im Schatten des jüngeren Bruders Lorenz stand (1396 versteuerte er ein Anschlagvermögen von 2490 fl = 22. Stelle), erscheint ab 1398 sein Sohn Peter (II, * um 1382, † 1448/49) in den Steuerbüchern, bei dessen Kindern sich die Bindung an Augsburg löste: der seit 1434 selbstständig steuernde, zuletzt verarmte Lorenz (II) verschwindet 1454; Hartmann wird 1453 als ’Gast’ bezeichnet; Ulrich scheint Augsburg in den 1460er Jahren verlassen zu haben; Karl (II) studierte ab 1435 in Wien; er zählte zum Kreis um Gossembrot und wird 1459 als Kaplan des Kardinals Juan de Carvajal in Ungarn erwähnt.
  • Die herausragende Bedeutung von Lorenz (I, * um 1360/70, † 7.1.1418) basiert nicht zuletzt auf seiner wirtschaftlichen Stellung. 1394 hatte er Margaretha Dachs, eine der reichsten Augsburger Erbinnen, geheiratet. Nach Teilung des riesigen Erbes der Schwiegermutter stieg sein Anschlagvermögen von 4410 fl (1396, 10. Stelle) auf 12.570 fl (1399, 1. Stelle). Als seine Frau kinderlos starb, stiftete er 1410, wohl um Erbansprüche ihrer Schwester auszuschalten, die Antonspfründe; die Aufwendungen betrugen wohl über 7000 fl. 1411 heiratete er in zweiter Ehe Dorothea Waldstromer von Nürnberg. Er trat das politische Erbe von Peter (I) an und war ab 1396 neunmal Stadtpfleger. Hinterließ einen Bericht (Cgm 267) über eine Pilgerfahrt nach Jerusalem im Jahr 1385.
  • Sein Sohn Peter (III, * um 1413, † 1452), seit 1432 im Rat und eine der einflussreichsten und schillerndsten Gestalten seiner Zeit, amtierte 1436-1450 achtmal als Stadtpfleger. Die Berufung zum obersten Schiedsrichter in einer Auseinandersetzung zwischen Zürich und den Eidgenossen 1446 verdeutlicht seine herausragende politische Stellung. Das vom Vater ererbte Anschlagvermögen von 7080 fl (1418, 12. Stelle) stieg in drei Jahrzehnten auf 31.632 fl (1448, 1. Stelle); seit 1428 war er der reichste Bürger Augsburgs. In seinem Haus am Weinmarkt, das er von Jörg Amman mit Bildern aus der Augsburger Geschichte ausmalen ließ, beherbergte er 1431 König Sigismund und 1442 Kaiser Friedrich III. Letzterer erhob ihn im gleichen Jahr in den Adelsstand, verlieh ihm ein neues Wappen und den Zunamen ’von Argon’; ob ein Verwandtschaftszusammenhang mit der gleichnamigen Kaufmannsfamilie (1302-1368 in Augsburg nachweisbar) bestand, ist nicht geklärt. Massive Aufkäufe von Herrschaften und Gütern im Umland zeigen die Tendenz zum Übergang in den Landadel. Wegen Belastung mit städtischen Ämtern kam es zu Konflikten mit dem Rat; 1450 verließ er endgültig die Stadt. Die Prozesse mit der Stadt zogen sich auch nach seinem Tod noch jahrelang hin und endeten 1459 mit einem Vergleich.
  • Den endgültigen Übergang in den Landadel belegt das Konnubium der nächsten Generation. Die Töchter heirateten in niederadelige Familien der Umgebung (Stein, Rietheim, Hirnkofen), Sigmunds Frau wurde Johanna von Weinsberg; Jakob von Argon († nach 1487?), der Augsburg jahrelang mit Fehden überzogen hatte und schließlich in die Reichsacht kam, blieb offensichtlich ledig. Nur der älteste Sohn Antoni († 1488/91) heiratete ’bürgerlich’; sein Hauptsitz wurde 1459 Rietheim, zumindest zeitweilig war er auch Bürger in Lauingen. 1497 kehrte die Witwe mit den Kindern nach Augsburg zurück. Der einzige Sohn Georg von Argon († 1532), seit 1503 in den Steuerbüchern fassbar, pflegte, obwohl Bürger, nur lockere Beziehungen zur Stadt. Er war nicht mehr Mitglied der Herrenstube und saß zumeist auf seinem Besitz in Rö­fingen. Mit ihm erlosch das Geschlecht, sein Erbe fiel an die Antonspfründe.
  • Argonstraße (1879, Am Schäfflerbach, Amtlicher Stadtplan K, L 8).

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 57-60; Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 5, 196 ff., 395-420; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 1234-1236, 4217-4219; Peter Rummel, Katholisches Leben in der Reichsstadt Augsburg (1650-1806), in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 18 (1984), 138; Johannes Wilhelm, Augsburger Wandmalerei 1368-1530, 1983, 983; Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 2, 21980, 365; Hartmut Boockmann, Fürsten, Bürger, Edelleute, 1994, 57-80; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 142, 196, Anh. 6-197; Dietrich Huschenbett, Berichte über Jerusalem-Pilgerfahrten, in: Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, 1995, 245-248.



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