Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Fasching

Von: Prof. Dr. Günther Kapfhammer / Helga Hoffmann (Stand: 2.9.2009)

  • Erstmals aktenkundig wird der Augsburger Fasching durch ein Verbot in einer Baumeisterrechnung von 1370, demzufolge 'niemand sin antlitz verdeck ze vasnacht'. Das 1391 erneuerte Verbot wurde 1400 auf Geistliche und deren Dienerschaft beschränkt. Im 15. Jahrhundert berichten Chronisten von Turnieren zur Faschingszeit, im 16. Jahrhundert von Tanzvergnügen; mehrfach wurde auch der Geschlechtertanz aufgeführt. Eine anonyme handschriftliche Chronik aus dem 16. Jahrhundert berichtet, dass am 11.3.1538 elf Junggesellen vom Rat die Erlaubnis erhielten, 'nach alttem ehrlichen gebrauch Iren Hern Tanttz [zu] haltten', worauf sie sich 'in ainerley farb und kleidung' kleideten und 'auf dem Tanzhaus' tanzten. Aufgrund der ersten Nennung eines 'Elferrats' wird 1538 als das Geburtsjahr des organisierten Augsburger Faschings angesehen. Während seit dem 17. Jahrhundert der Fasching immer mehr zu einem öffentlichem Vergnügen der unteren Schichten wurde, feierte das Patriziat eigene Maskenbälle und im 18. Jahrhundert Redouten, zu denen das Volk keinen Zutritt erhielt. Fast ebenso alt wie der Fasching selbst sind die Faschingsumzüge, die anfangs möglicherweise maskierte Schlittenfahrten waren, wie aus Faschingsverboten des 16. Jahrhunderts hervorgeht; für das 18. Jahrhundert werden ebenfalls prächtige Schlittenfahrten erwähnt. In den 1880er Jahren entsprach der Augsburger Faschingsumzug ganz dem Muster der damaligen Zeit (Prinz Karneval samt Hofstaat, Prunkwagen, Bauernhochzeit, Chinesengesellschaft, Türkenabordnung mit Elefanten, Affen u. a. exotischen Tieren). Der Augsburger Kurier vom 28.2.1884 bemerkt, dass hierbei 'jede satyrische Anspielung auf [...] lokale Zustände ferngehalten' wurde. Der letzte Augsburger Faschingsumzug fand 1975 statt. Die Organisation des offiziellen Augsburger Faschings liegt heute vor allem in Händen des Augsburger Carneval-Vereins e. V. (ACV, gegründet 1887, neugegründet 1968) und der Perlachia Augsburg e. V. (gegründet 1934); 1968 kamen die Fachingsgesellschaft Hollaria Augsburg e. V. und 1982 der Faschings- und Freizeitclub Augsburg e. V. (FFC) hinzu.

Paul von Stetten, Geschichte der Hl. Röm. Reichs Freyen Stadt Augspurg 1, 1743, 360, 733; Friedrich C. Gullmann, Geschichte der Stadt Augsburg, 1818, II, 153 f.; V, 505, 516; VI, 151; Neue Augsburger Zeitung, 22.1.1938.



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