Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Garnison

Von: Günther Grünsteudel / Karl Wahl (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Nach dem Übergang an Bayern (1806) wurde Augsburg – neben Ingolstadt, München, Nürnberg, Würzburg und Landau/Pfalz – zu einer der größten Garnisonen des Landes ausgebaut. Augsburg war ab 1806 ständiger Sitz des 3. Infanterie-Regiments, seit 1808 des 4. Chevaulegers-Regiments ’König’ und seit 1859 des 4. Artillerie-Regiments (seit 1873 4. Feldartillerie-Regiment ’König’); andere Truppenteile lagen jeweils nur begrenzte Zeit in der Stadt. Ab 1822 war Augsburg Sitz der 2. Armee-Division und der 3. Infanterie-Brigade, ab 1825 der 2. Kavallerie-Brigade und seit 1904 der 2. Feldartillerie-Brigade.

    Seit 1807/08 diente das Zeughaus als zentrales Waffenarsenal; ab 1809 wurden auch die ehemaligen Klosterkirchen St. Salvator und St. Magdalena (bis 1836) als Lagerhäuser genutzt. Im Gieß- und Bohrhaus (Geschützgießhaus) wurden ab 1830 Bronze- und Stahlgeschütze für die gesamte bayerische Artillerie gegossen (1885 Verlegung der Produktion nach Ingolstadt). Nach anfänglichen Provisorien (z. T. in Privathäusern) waren die in Augsburg stationierten Einheiten ab 1808 in den Konventgebäuden säkularisierter Klöster untergebracht. Das Chorherrenstift Heilig Kreuz (Kreuzkaserne) und das Jesuitenkolleg St. Salvator (Jesuitenkaserne) wurden von den Infanterie- und Artillerieverbänden genutzt, bis im Süden der Stadt nach Aufhebung der Festungseigenschaft die spätere Hindenburg- (1868/74) und die Prinz-Karl-Kaserne (1882/84) errichtet wurden. Das 4. Chevaulegers-Regiment war 1808-1919 in der ehemaligen Reichsabtei St. Ulrich und Afra (Ulrichskaserne) untergebracht. Das Chorherrenstift St. Georg (Georgskaserne) diente 1808-1883 als Lazarett, ehe ein neues Militärkrankenhaus auf dem Gelände der Prinz-Karl-Kaserne errichtet wurde. Nach dem Abbruch von St. Johannes (1810, Dompfarrei) wurden Domplatz und Fronhof bis etwa 1877 als Paradeplatz genutzt. Außerhalb des Mauerrings wurden im Westen der Stadt der Kleine und der Große Exerzierplatz angelegt.

    1919 wurden die in Augsburg stationierten Regimenter aufgelöst; der Versailler Vertrag gestand Deutschland ein stehendes Heer von nur mehr 100.000 Mann zu. Die Politik des NS-Regimes war seit 1933 darauf gerichtet, Deutschland zur weltweit führenden Militärmacht zu machen. Die Hochrüstungspolitik der 1930er Jahre ging einher mit zahlreichen Kasernen-Neubauten, die nach 1945 zumeist von der Besatzungsmacht genutzt wurden. Die drei 1934/36 in Pfersee errichteten Kasernen, Heeresnachrichten-, Luftnachrichten- und Neue Infanteriekaserne (General-Kneußl-Kaserne), wurden nach 1945 von der US-Army zur Sheridan-Kaserne zusammengefasst, benannt nach dem Gefreiten Carl V. Sheridan, Träger der ’Medal of honor’ (hohe US-Kriegsauszeichnung). Weitere drei um 1936 auf dem Gelände des ehemaligen Großen Exerzierplatzes (Kriegshaber) entstandene Artilleriekasernen, die Arras-, Panzerabwehr- und Sommekaserne wurden zum Kasernenkomplex Reese-Barracks (nach James W. Reese, Träger der ’Medal of honor’) zusammengelegt. 1936/37 entstanden noch die nach 1952 teilweise als Militärhospital genutzte Flakkaserne zwischen Kobelweg und Dr.-Dürrwanger-Straße und das Heeres-Hauptverpflegungslager zwischen Bürgermeister-Ackermann-Straße und Westfriedhof, das nach 1945 in die ’Quarter-Master-Kaserne’ umgewandelt wurde. Teile der Arras-Kaserne beherbergten 1947-1982 das städtische Westkrankenhaus; das ’Family Recreation Center’ der US-Army (Somme-Kaserne) ist seit 1995 Sitz des Kulturhauses abraxas.

    Im September 1998 werden die USA, die in Augsburg eine bis zu 17.000 Mann starke Garnison unterhielten, nach schrittweiser Standortreduzierung seit 1990 ihre Militärpräsenz endgültig aufgeben (US-Streitkräfte). Die an die Vermögensverwaltung des Bundes zurückgegebenen Kasernenbauten werden einer zivilen Nutzung (Wohnungen, Gewerbeflächen) zugeführt.

Rang-Liste der Königlich Bayerischen Armee, 1811-1823; Militär-Handbuch des Königreichs Bayern, 1831-1914; Beschreibung der Garnison Augsburg vom Standpunkt der Gesundheitspflege, 1900; Historische Rang- und Stammliste des Deutschen Heeres, 1905 (ND 1974); Geschichte des Bayerischen Heeres 6-8, 1931-1935; G. Heyl, Militärwesen, in: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980, 1983, 330-393; R. Braun, Augsburg als Garnsion und Festung in der 1. Hälfte des 19. Jh.s, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 65-78.



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