Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Hämmerlin

Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1415 bis Mitte des 16. Jahrhunderts in Augsburg nachweisbar; 1456 kaiserlicher Wappenbrief; um 1480 Herrenstube. Durch Heirat mit einer Witwe erwarb der vermögenslose Weber Jakob Hämmerlin (I, † 1463) ein bescheidenes Startkapital. Wohl durch Baumwoll- und Barchenthandel stieg sein Anschlagvermögen von 158 fl (1415) auf 8970 fl (1455, 8. Stelle); amtierte 1439-1446 viermal als Richter, vertrat 1449 die Weberzunft im Rat (Weberchronik: bis 1453?). Nachdem sein einziger Sohn Jakob (II, † 1478/79) durch Heirat (1444) mit Magdalena († 1500/01), einer Tochter des Meuting-Gesellschafters Konrad Raud, das Zunftrecht der Kaufleute erworben hatte, wechselte er (um 1455?) in diese Zunft. Gemeinsame Steuerveranlagung mit seinem Sohn belegt für 1456 die Existenz einer Handelsgesellschaft. Die Firma zählte 1450-1480 zu den führenden Augsburger Häusern und erreichte unter Jakob (II) den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Seine Mitgliedschaft in der Salzfertigergesellschaft belegt auch Beteiligung am Salzhandel. 1475 versteuerte er mit 19.800 fl das zweitgrößte Anschlagvermögen. Indizien lassen eine zeitweilige Mitarbeit der Schwiegersöhne Georg Ridler und Sigmund Gossembrot vermuten. Wappenverleihung, Erwerb von Auerbach und stubenfähiges Konnubium der Töchter belegen ab 1456 das Bemü­hen um gesellschaftliche Anerkennung. Durch Heirat mit Barbara Ridler erreichte um 1480 der Sohn Johann (I, † 1508) die Aufnahme in die Herrenstube. Die 1480 noch bezeugte Handelsgesellschaft wurde wohl bis 1484 von der Mutter weitergeführt; ihr weiteres Schicksal ist nicht geklärt. Seit 1486 zeigt die Vermögensentwicklung Johanns absteigende Tendenz, 1506 musste das Wohnhaus veräußert werden, 1508 von den Erben auch der Besitz Auerbach. Seinen Söhnen Johann (II, † 1507/08?), Christoph († 1520/21?) und Georg († 1554) verblieb nur ein bescheidenes Erbe. Letzterem gelang der wirtschaftliche Wiederaufstieg. Wohl nach anfänglicher Tätigkeit als Handelsdiener wird er 1524 als Einkäufer der Baumgartner in L’Aquila genannt. Heirat der Tochter mit Leonhard Welser (1544) und Depositeneinlage seiner Witwe (1556) sind vielleicht Indiz für eine spätere Zusammenarbeit mit der Welser-Gesellschaft.

Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 147-151; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 142, Anh. 69-192; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 26, 209 f.



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