Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Hätzler

Von: Dr. Elisabeth Wunderle (Stand: 23.11.2010)

  • 1) Bartholomäus, * um 1430, † nach 1496, Notar. 1451-1496 in den Augsburger Steuerbüchern nachgewiesen. Sohn des Notars Bartholomäus Hätzler d. Ä. († 1444/45). Der ’Notarius publicus’ vertrat die Stadt u. a. 1467 im Streit mit Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut. Seine Schwester 2) erlernte wohl auch bei ihm das Schreiben.
  • 2) Clara, * um 1430, † nach 1476, Schreiberin. 1452-1476 in den Augsburger Steuerbüchern nachgewiesen. Vater und Bruder waren als Notare und Rechtsberater in Augsburg tätig. Sie selbst war Lohnschreiberin. Neun von ihr im Zeitraum von ca. 1459 bis um 1473 geschriebene deutschsprachige Handschriften sind bekannt, u. a. zwei Handschriften mit 'Der Heiligen Leben', ein ’Beizbüchlein’ und ein ’Schwabenspiegel’. Am bekanntesten wurde das ’Liederbuch der Clara Hätzlerin’, eine Sammlung hauptsächlich von Liedtexten des 13.-15. Jahrhunderts, die sie im Auftrag des Augsburger Bürgers Jörg Roggenburg abgeschrieben und 1471 fertig gestellt hat. Die Handschrift gliedert sich in zwei Teile: Teil 1 enthält fast ausschließlich Reimpaargedichte (insgesamt 77; dazu sieben Lieder und ein Prosastück); Teil 2, das eigentliche Liederbuch, umfasst 128 Lieder, zwei Reimpaargedichte und vier Priameln. Thematisch überwiegen Minnereden und Minnelieder, außerdem finden sich Schwänke und Parodien, seltener Ess- und Trinklieder. Geistliches ist wenig vertreten. Das meiste ist anonym; zu den bekannten Autoren gehören Konrad von Würzburg, der Mönch von Salzburg, Oswald von Wolkenstein und Jörg Schiller. Wichtiges Zeugnis für die literarischen Interessen des Stadtbürgertums im Spätmittelalter. Eine im Großen und Ganzen mit dem Liederbuch der Clara Hätzler übereinstimmende Sammlung findet sich in der 1512 entstandenen sog. 'Bechsteinschen Handschrift' und der 1530 von Martin Ebenreuther geschriebenen Handschrift, die eine Abschrift der Bechsteinschen Handschrift darstellt.
  • Clara-Hätzler-Straße (1973, Wolfram- und Herrenbachviertel, Amtlicher Stadtplan L 9; früher: Peter-Dörfler-Straße).

Liederbuch der Clara Hätzlerin, 1840 (ND 1966); Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 6, 1958, 26-37; Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 3, 21981, 547-549; Johannes Rettelbach, Lied und Liederbuch im spätmittelalterlichen Augsburg, in: Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, 1995, 285-288; Inta Knor, Das Liederbuch der Clara Hätzlerin als Dokument urbaner Kultur im ausgehenden 15. Jahrhundert, 2008; Killy Literaturlexikon 4, 22009, 585 f.



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