Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Haid

Künstlerfamilie

Von: Dr. Gode Krämer / Günther Grünsteudel (4) (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Der Goldarbeiter Johann Valentin Haid (* um 1665 Augsburg, † 1737 Augsburg) verließ, wohl einem Auftrag folgend, Augsburg um 1700 und war, nach Aussage des überlieferten Geburtsorts seiner Söhne 1)-3) in Kleineislingen (Württemberg) ansässig, ohne sein Augsburger Bürgerrecht aufzugeben. Spätestens im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts kehrte die Familie nach Augsburg zurück.
  • 1) Johann Lorenz, * 1702 Kleineislingen, † 1750 Augsburg, Maler, Kupferstecher, besonders Schabkünstler. Lehre bei Georg Philipp Rugendas d. Ä. Arbeitete für den Verlag Gottlieb Heiss (Heuss), stach Phantasieköpfe nach Piazzetta. Nach ihm haben auch andere Künstler gestochen, z. B. B. S. Setlecky die ’Allegorie auf die Augsburger Konfession’, Johann Andreas Pfeffel, Gabriel Bodenehr, sein Bruder 2) und Christian Rugendas. Drei Zeichnungen in den Kunstsammlungen Augsburg.
  • 2) Johann Jakob, * 23.1. oder 10.2.1704 Kleineislingen, begraben 9.12.1767 Augsburg, Maler, Kupferstecher, besonders Schabkünstler, Verleger. Kam 1726 wohl bereits als Geselle zu Johann Elias Ridinger. 1735 Heirat mit Barbara Lauter in Augsburg. Als Porträtmaler, als der er nach Stetten zunächst tätig war, spielt er eine weniger wichtige Rolle in der Augsburger Kunst denn als Kupferstecher und vor allem als Schabkünstler, besonders in Porträts. Aus seinem eigenen Verlag gingen ca. 300 Porträtstiche hervor, die z. T. in Buchform erschienen: ’Bilder-sal heutigen Tages lebender [...] Schriftsteller’ (1741-1766), ’Ehrentempel der Deutschen Gelehrsamkeit [...]’ (1747/48). Künstlerische Höhepunkte bilden Porträts Augsburger Künstler (vor allem nach Johann Georg Bergmüller), die durch geschickt eingefügtes allegorisches Beiwerk die spezifische Fachrichtung des jeweiligen Malers oder Kunsthandwerkers widerspiegeln. Versuchte, auch im Farbdruck der Schabkunst neue Wege zu ebnen und trat als Illustrator botanischer Werke auf. Arbeitete ebenso nach eigenen Entwürfen wie nach Gemälden gleichzeitiger (vor allem Bergmüller) und frü­herer Maler wie Rembrandt, Largilliere und Kupetzky. Ein Bild und eine Zeichnung in den Kunstsammlungen Augsburg.
  • 3) Johann Gottfried, * 1710 Kleineislingen, † 5.9. oder 3.11.1776 Wien, Kupferstecher, besonders Ornamentstecher. Lehrzeit bei seinem Bruder 1). Seit etwa 1750 an der Wiener Akademie Schüler des kaiserlichen Hofmalers Martin von Meytens, dessen Selbstporträt er 1756 und dessen Familienbild der Kaiserfamilie er 1760 in Schabkunst vervielfältigte. Letzteres widmete er dem Rat der Stadt Augsburg und gewann damit gleichzeitig die Gunst des kaiserlichen Hofes, der ihm ab der Mitte der 1760er Jahre eine Fortsetzung seiner Ausbildung in London bei John Boydel ermöglichte. Seine Schabkunstblätter, die im 1803 erschienenen Verzeichnis von John und Josiah Boydel aufgeführt sind und zu den besten des Verlages zählen, sind nach Gemälden von J. Reynolds, F. Bol, Zoffany, Rembrandt und G. Schalcken ausgeführt. Gründete nach seiner Rückkehr nach Wien eine Schabkunstschule, die später als Spezialschule der Akademie weitergeführt wurde. Seine besondere Bedeutung liegt in seinen hervorragenden Ornamentstichen, die durch Szenen belebt sind und vielen Kunsthandwerkern als Vorlage dienten. Die meisten davon, zum Teil auch nach seinen Entwürfen von Georg Philipp Rugendas, Jakob Gottlieb Thelott und J. M. Steidlin gestochen, erschienen im Verlag Johann Georg Hertel.
  • 4) Johann Elias, * 1739 Augsburg, † 5.4.1809 Augsburg, Kupferstecher, Schabkünstler, Verleger. Sohn und Schüler von 2). Betätigte sich wie dieser auch als Schabkünstler und pflegte vor allem den Porträtstich. Führte nach dem Tod des Vaters dessen Verlag unter dem Namen ’Johann Jakob Haid & Sohn’ weiter. Unternahm Reisen nach Venedig und in die Niederlande. Schuf 1768 in Schabkunst ein Bildnis (nach Anton Graff) seines kurz zuvor verstorbenen Vaters. Begann 1774 die Sammlung von Porträts berühmter Gelehrter, ein Werk, an dem er bis in die 1790er Jahre arbeitete (57 Blatt), und 1778 das ’Hedlingersche Medaillenwerk’ mit 132 Bildnissen nach Zeichnungen des Johann Jakob Füßli (erschienen 1781 in Augsburg). Setzte die Sammlung von Künstlerbildnissen seines Vaters fort. Porträtierte daneben aber auch zahlreiche andere Zeitgenossen: lokale Berühmtheiten (wie Paul von Stetten) sowie bekannte Persönlichkeiten (Cagliostro, Franklin, Füßli, Napoleon, Rousseau, Voltaire, Winckelmann, etc.). Ab 1786 evangelischer Direktor der Reichsstädtischen Kunstakademie.

Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler 15, 1922, 481-483; Johann Jakob Haid und seine Zeit, 1989; Christoph Schreckenberg, Die Gelehrtenbildnisse in Jacob Bruckers und Johann Jakob Haids Bilder-sal, in: Graphische Porträts in Büchern des 15.-19. Jahrhunderts, 1995, 139-147; Thomas Schnalke, Das genaue Bild, das schöne Bild, in: Natur im Bild, 1995, 99-129; Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997.

Johann Elias Haid



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