Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Haindl

Unternehmerfamilie

Von: Günther Grünsteudel (1, 3-5) / Edith Findel (2) (Stand: 29.11.2011)

  • 1) Georg (I), * 15.11.1816 Ingolstadt, † 11.5.1878 Augsburg. Sohn eines Zollbeamten. 1833 Lehre in der Buchhandlung Friedrich Pustet in Regensburg. Ab 1838 Aufbau und Leitung der Papierfabrik Pustet in Alling/Laaber. 1849 erwarben Haindl und Pustet mit Unterstützung der Eltern von Haindls Frau die in Konkurs gegangene Siebersche Papierfabrik in Augsburg, im selben Jahr Aufnahme der Papierproduktion (G. Haindl’sche Papierfabriken); rascher Aufschwung des ab 1851 im Alleinbesitz Haindls befindlichen Unternehmens durch Schwerpunktsetzung in der Produktion von Zeitungspapier (einziger Papierlieferant für die Allgemeine Zeitung). Aufstellung der ersten (aus England bezogenen) Papiermaschine für den Rotationsdruck in Süddeutschland. 1853 Einrichtung einer Krankenkasse für die weiblichen Mitarbeiter, 1875 einer Pensionskasse. Seit 1869 Gemeindebevollmächtigter. Zog sich nach einem Brand, der 1873 das Stammwerk zerstörte, teilweise aus der Geschäftsleitung zurück, die er weitgehend seiner Frau und seinem ältesten Sohn Friedrich (* 6.8.1849 Augsburg, † 25.10.1929 Augsburg, Kommerzienrat) überließ.
  • 2) Elise (geb. Ehrnthaller), * 23.4.1826 Breitenbrunn/Oberpfalz, † 2.3.1906 Augsburg. Einziges Kind eines Revierförsters. Seit 1846 Ehefrau von 1); von elf Kindern überlebten vier; die beiden ältesten Söhne, Friedrich und Clemens (* 22.5.1854 Augsburg, † 9.7.1930 Augsburg), übernahmen später die Firma. Kümmerte sich in starkem Maße um die sozialen Belange der Belegschaft. Besaß nach dem Brand von 1873, für die damalige Zeit durchaus unüblich, General- und Spezialvollmacht für die gesamte Geschäftsführung einschließlich der Rechtsangelegenheiten. Die nach dem Tod ihres Mannes von ihr errichtete ’Georg-und-Elise-Haindlsche Stiftung’ ermöglichte den Bau der Haindl'schen Stiftungshäuser am Oblatterwall.
  • 3) Georg (II), * 19.11.1881 Augsburg, † 4.3.1958 Augsburg. Enkel von 1); Sohn von Friedrich Haindl Nach Studium (Rechtswissenschaft, Volkswirtschaft) in München, Berlin und Freiburg/Br. sowie Studienreisen (England, USA) 1905 Eintritt in das Familienunternehmen, dessen Leitung er nach dem Tod des Vaters übernahm. Nach dem Ersten Weltkrieg Modernisierung, bereits 1929 drittgrößter Papierexporteur Deutschlands. 1924 Kommerzienrat. Nach fast völliger Zerstörung (1944) beispielhafter Wiederaufbau. In den 1920er Jahren maßgeblich beteiligt am raschen Aufstieg der deutschen Papierindustrie. Vorsitzender des Vereins der Bayerischen Papier-, Pappen-, Zellstoff- und Holzstoffindustrie sowie des deutschen und des bayerischen Arbeitgeberverbandes der Papier-, Pappen-; Zellstoff- und Holzstoffabrikanten; Aufsichtsratsvorsitzender des Verbandes Deutscher Druckpapierfabriken; 1925-1951 Mitglied im Verkehrsausschuss der Ständigen Tarifkommission der Deutschen Eisenbahnen (ab 1937 Vorsitzender); Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates der BVP; 1931 im Wirtschaftsbeirat der Reichsregierung; Vorsitzender des TÜV München; Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Augsburg; 1919-1931 im Stadtrat. Zog sich 1950 krankheitsbedingt von der aktiven Arbeit zurück. 1953 Großes Bundesverdienstkreuz. 1955 Ehrenbürger der Universität München.
  • Georg-Haindl-Straße (1952, Bleich und Pfärrle, Amtlicher Stadtplan K 7), entlang des Firmengeländes.
  • 4) Georg (III), * 1.12.1914 Augsburg, † 15.7.1970 Augsburg Sohn von 3). Studium der Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft in München (Dr. rer. pol. 1939). Offizier im Zweiten Weltkrieg. 1945 Eintritt in das Familienunternehmen, 1949 persönlich haftender Gesellschafter, 1963-1970 Vorsitzender der Geschäftsführung. Vorstandsmitglied des Verkehrsausschusses des Deutschen Industrie- und Handelstages, Vizeprä­sident des Verwaltungsrates der Deutschen Bundesbahn (ab 1952), Vorsitzender des Vereins der Bayerischen Papier-, Pappen-, Zell- und Holzstoffindustrie (ab 1958), stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Deutschen Papierfabriken. 1949-1970 Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats der CSU, 1949- 1970 Mitglied der Bundesversammlung. 1958-1970 Präsident der Industrie- und Handelskammer Augsburg; sein Interesse galt vor allem der Förderung der beruflichen Qualifikation. Mitbegründer des Schwäbischen Hochschulkuratoriums, das sich für die Gründung der Universität Augsburg einsetzte. Stifter der Autobahnkapelle bei Adelsried (1958). Komtur des Ritterordens vom Heiligen Grab (1966), Großes Bundesverdienstkreuz (1969).
  • 5) Ernst, * 5.4.1926 Augsburg, † 5.9.1997 Augsburg, Unternehmer. Vetter von 4). 1946-1948 Ausbildung zum Papiermacher. Studium in München (Maschinenbau) und in Darmstadt (Papieringenieurwesen bei Walter Brecht; Diplom 1955). 1956 Eintritt ins Familienunternehmen, 1957 in die Geschäftsführung, 1970-1991 Sprecher der Geschäftsführung, anschließend Aufsichtsrat. Während seiner Zeit als Geschäftsführer Übernahme und Neuaufbau des Werkes Duisburg/Walsum, Ausbau des Werkes Schongau, Initiierung des Werkes Schwedt/Oder. 1984 Erwerb der niederländischen Papierfabrik Parenco BV, 1989 Einstieg in die österreichische Papierfabrik Steyrermühl AG. 1965-1996 Verwaltungsrat der Firmengruppe Martini. Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Augsburg. Mehrere Jahre Präsidiumsmitglied im Verband der Deutschen Papierfabriken.

100 Jahre G. Haindlsche Papierfabriken, 1949; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 1, 1952, 371-394; Bewährtes Leben – Georg Haindl, 1958; Neue deutsche Biographie 7, 1966, 523 f.; Es eilt die Zeit wir eilen mit, 1969; Wolfgang Zorn / Leonhard Hillenbrand, Sechs Jahrhunderte schwäbische Wirtschaft, 1969, 421; M. A. Haindl, Georg und Elise Haindl, in: Unternehmer - Arbeitnehmer. Lebensbilder aus der Frühzeit der Industrialisierung in Bayern, 21987, 186-194; Dr. Georg Haindl, 1990; Bayerisch-Schwäbische Wirtschaft 48 (1993) H. 11, 32; Richard Süttinger, Chronik des Werkes Schongau der Haindl Papier GmbH, 1995; Augusto 1997 H. 10, 30; Haindl-Information 1997,95, 1 f.; Marita A. Panzer / Elisabeth Plößl, Bavarias Töchter, 1997, 86-89; Augsburger Frauenlexikon, 2006, 70.

Georg (I) Haindl

Georg (III) Haindl



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