Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Hainhofer

(Ainhofer), Kaufmanns-, Patrizierfamilie

Von: Dr. Katharina Sieh-Burens / Redaktion (Stand: 29.4.2014)

  • Der wirtschaftliche Aufstieg der Familie erfolgte Mitte des 16. Jahrhunderts v. a. durch das Italiengeschäft. Der Stammvater, Hans Hainhofer († 1495), war angeblich Hausknecht und Mitglied der Schneiderzunft. Sein Enkel Melchior (I, um 1500-1577) lernte bei verschiedenen Kürschnern, machte sich 1522 selbstständig, handelte v. a. mit Bozen. 1539 trat er in die Kaufleutestube ein. Nach seinem Tod übernahm der Sohn Melchior (II, † 1583) das Familienunternehmen. Er gelangte auf die Herrenstube (Mehrer) und wurde 1575 nobilitiert. Nach dem Tod seiner Witwe, Barbara Hörmann, kam es 1604 zur Teilung des Familienvermögens. Sein Sohn Philipp (* 21.7.1578 Augsburg, † 23.7.1647 Augsburg) besuchte das Ulmer Gymnasium. Nach Jurastudium ab 1594 in Padua, Bologna, Siena und Aufenthalt in Köln begann er mit dem Handel von Luxuswaren und Kunstaufträgen. Organisierte in der Reichsstadt zunftübergreifende handwerkliche Serienproduktion. Als angesehener Kunstkenner mit einer großen eigenen Sammlung stand er in engem Kontakt mit Künstlern und Fürsten, allen voran Herzog Wilhelm von Bayern. 1617 Rat Herzog Philipps II. von Pommern-Stettin, dem er den berühmten Pommerschen Kunstschrank vermittelte, 1626 Rat Herzog Augusts d. J. von Braunschweig-Lüneburg, mit dem er eine rege Korrespondenz führte. Verband oft Kunstaufträge mit politischen Missionen. Seit 1629 Mitglied des Rats, 1632 Unterhändler bei den Schweden und Aufnahme ins Patriziat. 1635, nach dem Ende der schwedischen Besatzung, Ausschluss aus dem Rat wegen Zusammenarbeit mit Schweden. Wenig später musste er aufgrund finanzieller Probleme seine Kunstsammlung verkaufen. Hinterließ Reiseberichte, Briefe und Stammbücher, unschätzbare Quellen für Kunst, Kunsthandwerk, Buch- und Kunstbetrieb seiner Zeit. Ende des 17. Jahrhunderts starb die Familie aus.
  • Hainhoferstraße (Wolfram- und Herrenbachviertel, Amtlicher Stadtplan L 9).

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 293 f.; Allgemeine deutsche Biographie 8, 1878, 719-721; Oscar Doering, Des Augsburger Patriciers Philipp Hainhofer Beziehungen zum Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin, 1894; Josef Hagl, Entwicklung des Augsburger Großkapitals […] 1540-1618, 1924, 161-164; Christel Warnemünde, Augsburger Handel in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts und dem beginnenden 17. Jahrhundert, 1956, 70 f.; Neue deutsche Biographie 7, 1966, 524; Gerhart Nebinger, Die Patrizier Hainhofer in Augsburg, in: Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde 35 (1972), 429-450; Georg Himmelheber, Augsburger Kabinettschränke, in: Welt im Umbruch 2, 1981, 58-62; Der Briefwechsel zwischen Philipp Hainhofer und Herzog August d. J. von Braunschweig-Lüneburg, 1984; Dieter Alfter, Die Geschichte des Augsburger Kabinettschranks, 1986; Bernd Roeck, Philipp Hainhofer - Unternehmer in Sachen Kunst, in: Unternehmergestalten des Alpenraums im 17. Jahrhundert, 1992, 9-53; Hans-Olof Boström, Philipp Hainhofer, in: Macrocosmos in microcosmo, 1994, 555-580; G. Bach, Philipp Hainhofer und ein Kabinettschrank des Kunsthistorischen Museums in Wien, in: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien 91 (1995), 111-151; Hans-Olof Boström, Ein wiederentdeckter Hainhoferschrank, in: Konsthistorisk tidskrift 64 (1995), 129-146; Ders., Philipp Hainhofer als Vermittler von Luxusgütern zwischen Augsburg und Wolfenbüttel, in: Augsburg in der frühen Neuzeit, 1995, 140-157; Géza von Habsburg, Zwei deutsche Kunstkammern und der Augsburger Kunstschrank, in: Fürstliche Kunstkammern in Europa, 1997, 201-209; Barbara Mundt, Der Pommersche Kunstschrank des Augsburger Unternehmers Philipp Hainhofer für Herzog Philipp II. von Pommern, 2009; Wunderwelt - der Pommersche Kunstschrank, 2014.

Philipp Hainhofer



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