Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Handelsstraßen

Von: Dr. Peter Stoll (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Bereits das römische Augsburg war Mittelpunkt eines sich an den naturräumlichen Gegebenheiten orientierenden Straßennetzes: die 46/47 n. Chr. ausgebaute Via Claudia Augusta führte von der Donau aus, dem Lech folgend, über die Alpen nach Italien; als Ost-West-Verbindung legten die Römer eine Straßburg (Argentoratum) mit Salzburg (Iuvavum) verbindende und über Augsburg führende Fernstraße an. Die günstige Verkehrsanbindung beförderte den Aufstieg der Stadt zum militärischen, administrativen und wirtschaftlichen Zentrum der Provinz Rätien und wirkte bis in die Frühe Neuzeit fort, als sich Augsburg aufgrund seiner günstigen Verkehrslage zu einer führenden oberdeutschen Wirtschaftsmetropole entwickelte. Die Hauptroute nach Süden führte, zunächst dem Verlauf des für den Gütertransport nutzbaren Lechs (Flößerei) folgend, über Brenner- und Fernpass nach Tirol, das auch über Ulm, Kempten und den Reschenpass erreicht werden konnte. Dort waren neben der habsburgischen Residenz Innsbruck angesichts der Augsburger Beteiligung am Metallgeschäft besonders Hall (zeitweiliger Standort der Tiroler Münze) und die Bergwerksorte Schwaz, Gossensass und Sterzing von Interesse. In Oberitalien bildete Venedig (Fondaco dei Tedeschi) den wichtigsten Stützpunkt deutscher Kaufleute, wo auch alle großen Augsburger Handelshäuser Niederlassungen unterhielten. Von hier aus bestanden Verbindungen zu anderen italienischen Städten bis hin zu Rom und Neapel wie auch nach Übersee (Levante, Indien), so dass Venedig als Absatzmarkt wie auch als Drehscheibe für den Import (u. a. von Baumwolle für die Augsburger Barchentproduktion, hochwertiger Textilien, Gewürzen) fungierte. Als Handelsweg nach Süden bot sich auch eine Route an, die über Memmingen, Lindau und das Rheintal durch Graubünden in die Lombardei mit dem Zentrum Mailand und weiter nach Genua führte. Genua bot vielfältige Handelsbeziehungen nach Süditalien und zum gesamten westlichen Mittelmeerraum; über Genua brachten z. B. die Fugger das Silber aus den von ihnen gepachteten spanischen Minen nach Mitteleuropa. Genua und Marseille waren an die überseeischen Märkte Amerikas und der Levante angeschlossen. Mit Südfrankreich und Spanien stand Augsburg auch über eine Wegstrecke in Verbindung, die über Konstanz und Lyon führte. Die südöstliche Route über Salzburg, Kärnten nach Triest war vor allem für das Metallgeschäft von Bedeutung (Bergbau in Kärnten). Nach Norden führte der Weg zunächst über Donauwörth und Nördlingen an den zentralen Handelsplatz Nürnberg; von dort erschlossen sich die Handelsplätze in Nord- (Hamburg) und Mitteldeutschland (Leipzig, Erfurt) sowie im nahen Ostmitteleuropa (Böhmen, Slowakei, Schlesien, Polen; wichtig waren die Metallabbaugebiete dieser Regionen) und im Baltikum. Wichtig auf dem Weg nach Norden war auch die Messestadt Frankfurt/Main, von wo aus über Köln der bedeutende Warenmarkt Antwerpen erreichbar war, der seinerseits über den Seeweg an Süd- und Südwesteuropa angeschlossen war, so dass ihm etwa im Rahmen der Geschäfte Augsburger Kaufleute mit der spanischen Krone große Bedeutung zukam; über Lissabon und die Hafenstädte Südspaniens war Antwerpen in die Handelsbeziehungen mit Mittel- und Südamerika eingebunden (Import von Gewürzen, Zucker, Farbhölzern und Juwelen). Die Niederlande und Nordfrankreich konnten über Ulm und das Rheintal erreicht werden. Nach Osten bedeutete neben München das über Lech und Donau auch auf dem Wasserweg erreichbare Regensburg eine günstige Anlaufstelle für Augsburger Kaufleute. Regensburg bot Zugang zu Mitteldeutschland und Böhmen und den donauabwärts gelegenen Ländern Österreich, Mähren und Ungarn. Von Interesse waren vor allem die Metropolen Prag und Wien etwa als Absatzmärkte für hochwertiges Handwerk und Kunstgewerbe, die Metallproduktion der ungarischen Bergstädte oder die Schlachtviehbestände der ungarischen Tiefebene (Ochsenhandel).

Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, bes. 258-301; Uta Lindgren, Alpenübergänge von Bayern nach Italien 1500-1850, 1986; Erika Dreyer-Eimbcke, Alte Straßen im Herzen Europas, 1989, 171 ff.; Die Erschließung des Alpenraums für den Verkehr im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, 1996.



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