Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Imhof II

Kaufmanns- und Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1395 bis ins 19. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; 1431 Herrenstube; 1538 Aufnahme ins Patriziat. Die Imhof sind seit ca. 1270 (Herzogsurbar) in Lauingen nachweisbar. Eine bis in neuere Zeit behauptete Verwandtschaft mit den niederadeligen Imhof (I) kann ausgeschlossen werden; auch sonst sind die publizierten Forschungsergebnisse zur schwäbischen Imhof-Geschichte (vor 1450) z. T. mit erheblichen Irrtümern befrachtet. Die ausgeprägte Mobilität der Familie führte (ab 1340) zur Ausbildung eigenständiger Zweige in vielen oberdeutschen Reichsstädten. Sieht man von einem nicht sicher zuzuordnenden Ulrich (1382/83) ab, so erfolgte die Zuwanderung nach Augsburg in vier Linien:
  • Die ältere ’Lauinger’ Linie begründete Konrad († 1422/23), Bruder des Lauinger Bürgermeisters und späteren Ulmer Bürgers Heinrich Imhof ’d. Ä’ († um 1431). 1395 erwarb er durch Heirat Augsburger Bürgerrecht, 1403/04 saß er als Zunftzwölfer der Salzfertiger im Großen Rat. Er starb offensichtlich ohne männliche Erben, da seine Hochstiftslehen vor 1424 an den Bruder Heinrich gefallen waren. Mit seinem Tod verschwinden die Imhof für ein Jahrzehnt aus Augsburg.
  • Die jüngere ’Lauinger’ Linie begründete Konrad († 1464), ein Sohn des Konrad Imhof ’d. Ä.’ († um 1443). Durch Heirat mit Veronica Wahraus erwarb er 1431 Augsburger Bürgerrecht und Stubenfähigkeit. Als Zunftmeister der Kaufleute war er einige Jahre Mitglied des Kleinen Rats (1456/59). Eine Beteiligung am Fernhandel lässt sich aus der dynamischen Vermögensentwicklung erschließen. Während sein jüngerer Sohn Andreas († um 1496) nach Lauingen zurückkehrte, blieb Peter († 1504/05) in Augsburg. Als Kaufmann war er sogar noch erfolgreicher als der Vater: Sein Anschlagvermögen stieg in drei Jahrzehnten von 2040 fl (1466, 76. Stelle) auf 12.400 fl (1498, 21. Stelle). Indizien sprechen bei ihm für eine enge Zusammenarbeit mit den Memminger Vöhlin. Sein Sohn Konrad († nach 1521), der 1508 als Welser-Vöhlin-Gesellschafter bezeugt ist, wanderte nach Antwerpen ab. Mit dem Tod der jüngeren Söhne Georg († 1522) und Lukas, Propst von St. Moritz († 1531), erlosch in Augsburg auch diese Linie.
  • Die ältere ’Nürnberger’ Linie begründeten die Brüder Hieronymus († 1539) und Simon († 1557), Söhne des Großkaufmanns Johann Imhof († 1499). Hieronymus erwarb durch Heirat mit der Erbtochter Ulrich (II) Honolds 1489 Augsburger Bürgerrecht. Bei ihm ist von Anfang an Interesse an einer politischen Karriere fassbar. Nach einigen Jahren im Großen Rat vertrat er die Kaufleutezunft ab 1505 im Rat, etablierte sich 1507 im engeren Führungszirkel und amtierte ab 1514 im zweijährigen Turnus als Bürgermeister (Stadtpfleger) bis man ihn 1534 wegen Unregelmäßigkeiten relegierte. 1538 wurden deshalb nur sein Sohn Leonhard und der Bruder ins Patriziat aufgenommen. Simon hatte 1507 durch Heirat mit Anna Baumgartner Bürgerrecht erworben; 1548 ernannte ihn Karl V. zum Mitglied des Kleinen Rats. Die beiden Brüder und später auch Leonhard († 1557) waren auch als Augsburger an der Nürnberger Imhof-Gesellschaft beteiligt. Erst 1540/46 kam es zur Trennung. Mit Leonhards Sohn Hieronymus (III) erlosch die Linie.
  • Die jüngere ’Nürnberger’ Linie wurde von Hieronymus (II) ’d. Ä.’ († 1577), einem Großneffen des Bürgermeisters Hieronymus begründet. Er erwarb 1544 durch Heirat mit Anna Welser Bürgerrecht. Seine Anerkennung als Patrizier bereitete keine Probleme, ab 1553 saß er im Kleinen, ab 1561 im Geheimen Rat. Bis 1559 war er mit seinem Bruder Sebastian assoziiert, lässt sich dann ab 1566 als Leiter einer eigenen Firma fassen. Beteiligt waren seine vier Söhne Karl, Raimund, Hieronymus (IV) und Octavian, die sie nach seinem Tod weiterführten. Unter ihnen formierten sich eigene Zweige. Karl (I, † 1613) trennte sich um 1584 von den Brüdern und gründete eine eigene Firma. Wirtschaftlich am erfolgreichsten war Raimund († 1591), der spätestens 1584 die Leitung der Firma übernommen hatte und 1590 die ’Reiche Steuer’ zahlte. Um 1590 erwarb er mit Untermeitingen den namengebenden Sitz seines Zweiges. Die jüngeren Brüder waren hauptsächlich politisch aktiv: zuerst Octavian († 1600) als Bürgermeister und Mitglied des Geheimen Rats (1595-1600), dann Hieronymus (IV, † 1635) als Geheimer Rat (1600-1631) und Stadtpfleger (1614-1631). Auch später zählten die Imhof zu den führenden katholischen Patrizierfamilien. 1695 wurde Joseph Adrian († 1717), 1741 Leopold Adrian († 1763) in das höchste städtische Amt gewählt, Joseph Adrian († 1831) war der letzte katholische Stadtpfleger.
  • Imhofstraße (Antonsviertel, Amtlicher Stadtplan I 9/10).

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 172 ff.; Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 5418-5423; Neue deutsche Biographie 10, 1974, 146 f.; Adolf Layer, Die Imhof aus Lauingen im späten Mittelalter, in: Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde 36 (1973), 25-33; Raimund Eirich, Die Imhof in den schwäbischen Städten im ausgehenden Mittelalter, [1975]; Christoph von Imhoff, Die Imhoff, Handelsherren und Kunstliebhaber, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 62 (1975), 1-42; Elmar Lutz, Die rechtliche Struktur süddeutscher Handelsgesellschaften in der Zeit der Fugger 1, 1976, 284 ff.; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 143, 197, Anh. 10-215; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 358-370.



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