Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Kartographie

Von: Michael Ritter (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Augsburg war über mehrere Jahrhunderte ein herausragendes Zentrum des Drucks und Verlags von Landkarten. Eine erste Blüte im Zeitalter des Humanismus verdankte die Stadt den zahlreichen Buchdruckern und Formschneidern, aber auch dem geographischen Interesse der Gelehrten und Kaufmannsfamilien. Eine 1472 in Günther Zainers Ausgabe der ’Etymologia’ des Isidor von Sevilla erschienene schematische Weltkarte ist der erste abendländische Druck einer kartographischen Darstellung überhaupt. Eine weitere schematische Inkunabelkarte, die ’Mappa mundi’ des Hans Rüst (um 1480), ist eine der frühesten Karten im Einblattdruck und in deutscher Sprache. Wegbereiter der wissenschaftlichen Kartographie in Augsburg war insbesondere Konrad Peutinger, Besitzer der Tabula Peutingeriana, des bedeutendsten überlieferten Kartenwerks der Antike. Verdient um die Entwicklung der Kartographie machten sich ferner Georg Erlinger (Mitteleuropakarte, um 1515/18), Jörg Seld und Hans Rogel (Stadtpläne). Der wirtschaftliche und geistig-kulturelle Niedergang Augsburgs im 17. Jahrhundert schlug sich auch auf die Produktion von Landkarten nieder, die nun fast ausschließlich von einigen wenigen Kupferstechern wie Dominicus und Raphael Custos, Wolfgang Kilian oder Melchior Küsel weiterbetrieben wurde. Beliebte Motive waren Schlachtenkarten und Belagerungspläne zu den Kriegsereignissen der Zeit. Im 18. Jahrhundert erreichten Druck und Verlag von Landkarten ihren Höhepunkt. Kupferstecher, Drucker und Kunstverleger wie Jeremias Wolff, Elias Baeck oder Johann Andreas Pfeffel führten nicht nur einzelne Landkarten, sondern ganze Atlanten im Programm. Auf kartographische und topographische Themen spezialisiert war Johann Stridbeck d. Ä., der erste nennenswerte Atlasverleger des deutschen Sprachraums. Sein Verlag wurde von Georg Bodenehr d. Ä. fortgeführt. Die bedeutendste Landkartenoffizin in Augsburg gründete jedoch Matthäus (III) Seutter, der mehrere Kupferstecher beschäftigte, darunter auch seinen späteren Schwiegersohn und Verlagsnachfolger Tobias Conrad Lotter. Vor allem Seutter war es, der Augsburg nach Nürnberg zum bedeutendsten mitteleuropäischen Zentrum des Drucks und Verlags von Landkarten machte. Mangelnde Anpassungsfähigkeit an technische Neuerungen (Lithographie), und an einen neuen wissenschaftlich-sachlichen Kartentypus führte ab der Wende zum 19. Jahrhundert zum Niedergang der Kartographie. Lediglich der Verlag von Johann Walch konnte sich noch einige Jahrzehnte auf diesem Sektor behaupten.

F. Grenacher, Guide to the cartographic history of the imperial city of Augsburg, in: Imago mundi 22 (1968), 85-106; Michael Ritter, Der Augsburger Landkartendruck, in: Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, 1997, 405-422.



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