Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Laminit

Anna, * um 1480 Augsburg, † Mai 1518 Fribourg (Schweiz)

Von: Dr. Wolfram Baer / Redaktion (Stand: 1.9.2009)

  • Entstammte einer Augsburger Handwerkerfamilie, die seit Generationen ein Haus gegenüber von Heilig Kreuz besaß. Schon in jungen Jahren allerlei ’Bübereien’ (u. a. Kuppelei) bezichtigt, wurde sie 1495/96 der Stadt verwiesen, kehrte aber schon 1497 zurück. 1501 erstmals in den Steuerbüchern als Insassin des Hirnschen Seelhauses nachweisbar, wo sie als Beghine lebte. Gab vor, seit 1498 keine irdische Speise zu sich genommen zu haben, sondern allein von der sonntäglichen Kommunion zu leben, was auf die Zeitgenossen großen Eindruck machte. Sie erregte weithin Aufsehen und konnte sogar die Aufmerksamkeit Maximilians I. auf sich ziehen. Als Martin Luther sie 1511 auf dem Rückweg von Rom besuchte, erkannte er schnell ihre nur vorgegebene Nahrungslosigkeit und ermahnte sie, diese Betrügerei zu unterlassen. 1513 wurde sie von Herzogin Kunigunde von Bayern, einer Schwester Kaiser Maximilians, öffentlich als Betrügerin entlarvt und 1514 aus der Stadt gewiesen. Anschließend Stationen in Kempten und Kaufbeuren. 1518 wurde sie, inzwischen verheiratet, in Fribourg ertränkt, wo sie sich neuer Betrügereien schuldig gemacht hatte. Als Berühmtheit ihrer Zeit mehrfach porträtiert.

Die Chroniken der deutschen Städte 25, 1896, 11-86; Friedrich Roth, Die geistliche Betrügerin Anna Laminit von Augsburg, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 43 (1924), 355-417; P. Dinzelbacher, Sante o streghe, in: Finzione e sanitá tra medioevo ed età moderna, 1991, 52-87; Ursula Goldmann, Eine fromme Betrügerin, in: Kaufbeurer Geschichtsblätter 12 (1992), 490-494; Marita A. Panzer / Elisabeth Plößl, Bavarias Töchter, 1997, 212-214; Augsburger Frauenlexikon, 2006, 92-94.



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