Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Lang I

(Longus, ’bei St. Moritz’), Patrizier- und Kaufmannsfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1231-1407 in Augsburg nachweisbar. Der wenig markante Zuname, geringe Urkundendichte und seltene Siegelbelege erschweren noch im 13. und 14. Jahrhundert eine sichere Abgrenzung verschiedener Familien dieses Namens. Wohl Söhne des als Kaufmann in Bozen (1237, 1242) aufscheinenden ’Hainricus (I) Longus de Augusta’ (1231/69) sind die ab 1273 belegten Brüder Otto († nach 1302) und Konrad Lang ’bei St. Moritz’ († 16.11. nach 1306), denen als dritter Bruder vielleicht noch der 1294 als Chorherr bei St. Moritz bezeugte Heinrich (II) zuzuordnen ist. Konrad ’bei St. Moritz’ war die herausragende Gestalt der Familie. Seit 1288 als Ratsherr fassbar, wurde er 1302 zum Stadtpfleger gewählt und zählte zu den bedeutendsten Kaufleuten seiner Zeit. Als ’Wirt’ der bayerischen Herzöge fungierte er auch als deren Bankier und Hoflieferant. Allein 1291-1294 verzeichnet das Rechnungsbuch des Oberen Vitztumamtes an ihn Zahlungen von mehr als 2200 Pfund Pfennigen. Männliche Nachkommen sind nicht belegt; die Masse seines großen Vermögens fiel wohl über die Erbtochter Agnes an die Onsorg und begründete offenbar deren starke wirtschaftliche Stellung im 14. Jahrhundert. Auch das Wappen der Onsorg könnte, mit abweichenden Farben, von den Lang übernommen sein. Als Verwandter lässt sich 1299 Marquard Lang (Sohn Ottos?) erschließen, der 1327 das Haus D 223 an seinen Schwiegersohn Heinrich Stolzhirsch verkaufte. Letzter Vertreter der Familie war wohl der ab 1377 in den Steuerbüchern fassbare Johann Lang († 1407/ 08), der 1405/06 als Zwölfer der Kaufleutezunft belegt ist; die Familie war also 1368 zu den Zünften übergetreten. Das von ihm versteuerte Anschlagvermögen (1396 1065 fl, 86. Stelle) lässt vermuten, dass er mit dem 1394 in Nördlingen erwähnten Barchentverleger ’Hans Lang’ identisch ist, der auch in Frankfurt und Köln als Kaufmann tätig war.

E. Oefele, Rechnungsbuch des oberen Vicedomamtes Herzog Ludwigs des Strengen 1291-1294, in: Oberbayerisches Archiv 26 (1865/66), 272-337; Franz Bastian, Das Runtingerbuch 1383-1407 1, 1944, 175; Heinrich Steinmeyer, Die Entstehung und Entwicklung der Nördlinger Pfingstmesse im Mittelalter, 1960, 180; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 1557; Franz Irsigler, Köln, die Frankfurter Messen und die Handelsbeziehungen mit Oberdeutschland im 15. Jahrhundert, in: Köln, das Reich und Europa, 1971, 424; K. Sieber, Die Anfänge des Augsburger Patriziats bis zum Stolzhirsch-Aufstand, Zulassungsarbeit München 1968, 76-79; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 151, Anh. 9-18, 221-223.



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