Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Lauginger II

Kaufmanns- und Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1404-1746 in Augsburg nachweisbar; Herrenstube (Stubenzettel 1416); 1538 Aufnahme ins Patriziat. Johann (I, † 1445), Sohn des Nördlinger Barchenthändlers Johann Lauginger († 1424/25), erwarb 1404 durch Heirat Augsburger Bürgerrecht und Stubenfähigkeit. Obwohl auch bei ihm vor allem Handel mit Barchent und Leinwand fassbar ist, trat er der Salzfertigerzunft bei. In gut 35 Jahren stieg sein Anschlagvermögen von 1920 fl (1405, 51. Stelle) auf 12.720 fl (1441, 3. Stelle). Damit stand er allerdings noch im Schatten seines Bruders Narziss Lauginger († 1447), des bedeutendsten Nördlinger Kaufmanns und Barchentverlegers, der 1441 26.400 fl versteuerte; seine Kinder wurden 1453 sogar mit über 50.000 fl veranlagt. Ob auch Johann an der 1443 erwähnten Handelsgesellschaft des Narziss beteiligt war, ist ungeklärt. Ab 1412 als Zunftzwölfer genannt, ist er 1422-1444 im Rat nachweisbar und zählte als Siegler kurz zum engeren Führungszirkel. Johann (II, † 1488), der älteste der fünf Söhne, trat politisch die Nachfolge des Vaters an. 1462-1488 vertrat er die Salzfertigerzunft im Rat und amtierte zeitweilig als Siegler. Die Steuerdaten lassen bei ihm und seinen Brüdern Anton (I, † 1507), Georg († 1466/67) und Otto (I, † 1522) keine besonderen wirtschaftlichen Aktivitäten erkennen; Vermögenszuwächse resultierten im wesentlichen aus Erbschaften. Als bedeutender Kaufmann ist dagegen der Bruder Leonhard (I, † 1483/84) anzusprechen, dessen Anschlagvermögen auch dank 15.000 fl Aussteuer und Erbe der Ehefrau Clara (Müller II) von 2940 fl im Jahr 1462 (52. Stelle) auf 34.000 fl 1480 (1. Stelle) anstieg. Nach seiner Heirat wechselte er in die Kaufleutezunft und wurde wohl 1465 Teilhaber der Firma des Schwiegervaters Heinrich Müller. Deren Geschäfte wurden von der 1480 belegten Leonhard-Lauginger-Bernhard-Rehlinger-Gesellschaft weitergeführt, aber schon 1484 waren beide Teilhaber verstorben. Die Witwe versteuerte, auch nachdem der kinderlose Leonhard über 20.000 fl an seine Geschwister vererbt hatte, noch immer das zweitgrößte Augsburger Vermögen. Die Dynamik ihrer Vermögensentwicklung (1486: 26.800 fl, 2. Stelle; 1504: 41.700 fl, 3. Stelle) lässt neben anderen Indizien vermuten, dass sie, ähnlich der Witwe Sigmund Gossembrot, die Firma weiterführte. Ihr Erbe fiel 1507/12 an die Geschwisterkinder (Rehlinger, Lang). Erbteilungen und veränderte Rahmenbedingungen zwangen die nächste Generation zu einer Neuorientierung. Während Johanns Söhne Johann (III, † 1521), Lukas, Bernhard und Matthäus vor allem für die Firma ihres Schwagers Ulrich Fugger arbeiteten, erscheinen Antons Söhne Anton (II, † 1529) und Narziss († 1534/39) und Ottos Sohn Johann (IV, † 1538) 1508 als Teilhaber der Welser-Vöhlin-Gesellschaft. Politisch und ökonomisch am bedeutendsten waren die Nachkommen Johanns (IV). Sein Sohn Otto (II, † 1593) amtierte als Bürgermeister, dessen Sohn, der Großkaufmann Otto (III, † 1636), zählte 1618, auch dank des Erbes seiner Frau (Kraffter), zu den reichsten Augsburger Bürgern. Nach dem 30jährigen Krieg hatte die Familie ihre frühere wirtschaftliche Stellung eingebüßt. 1746 ist sie mit einem Hieronymus Lauginger in Augsburg erloschen.
  • Laugingerstraße (Links der Wertach-Süd, Amtlicher Stadtplan H 7).

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 183-185; Max Förderreuther, Die Augsburger Kaufmannschaft in den bayerischen Herzogtümern während der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, 1892, 26; Josef Hagl, Entwicklung des Augsburger Großkapitals […] 1540-1618, München Diss. 1924, 66 f.; Anton Mayr, Die großen Augsburger Vermögen 1618 bis 1717, 1931, 103; Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 119 ff.; Hektor Ammann, Die Nördlinger Messe, in: Aus Verfassungs- und Landesgeschichte. Festschrift für Theodor Mayer 2, 1955, 293 ff.; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 5842, 5844; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 143, 197, Anh. 29-220; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 456-463.



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