Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Manlich

Kaufmannsfamilie

Von: Prof. Dr. Mark Häberlein (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts gelang den Manlich der Aufstieg in die erste Reihe der Augsburger Fernhändler, Montanunternehmer und Bankiers. Matthäus Manlich (* 2.3.1499, † 16.1.1559) besaß seit den 1530er Jahren Bergwerksanteile in Tirol, wo bereits sein Onkel Hans Manlich vor 1520 im Kupferhandel aktiv war. Übernahm Mitte des 16. Jahrhunderts dort auch den Grubenbesitz der einheimischen Familie Stöckl, trat diesen aber um 1553 an die Haug-Langnauer-Linck ab, bei denen er verschuldet war. Gewährte Anfang der 1540er Jahre gemeinsam mit Anton Fugger und Hans (II) Baumgartner König Ferdinand größere Darlehen, z. B. 1541 120.000 fl. Pachtete 1548-1560 die Gesamtproduktion der Kupfergruben in Neusohl (Slowakei), die zuvor die Fugger innehatten. 1548 vereinbarte er mit den Fuggern ein Gebiets- und Preiskartell zur Stützung der Kupferpreise. Durch einen Vertrag mit den Grafen von Mansfeld, die ihm gegen ein Darlehen von 300.000 fl 3/5 der Mansfelder Kupferproduktion zusicherten, unternahm Manlich den letztlich erfolglosen Versuch, auf dem europäischen Kupfermarkt eine monopolartige Stellung zu erringen. Stattdessen geriet er in jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit den Grafen und der ebenfalls am Mansfelder Kupferbergbau interessierten Stadt Frankfurt. In seinem Testament stiftete er 1558 16.000 fl für wohltätige Zwecke. Nach seinem Tod führten seine Schwiegersöhne Anton Hörmann, Felix und Hieronymus Rehm, Anton Katzbeck und Georg Sulzer das Unternehmen fort (’Matthäus Manlich sel. Erben’). Gemeinsam mit den Katzbeck beteiligten sie sich 1566 am Idrianer Quecksilbermonopol der Haug-Langnauer-Linck. Matthäus’ Vetter Christoph († 27.3.1574), verheiratet mit einer Tochter Konrad Rehlingers d. Ä., schloss 1548 mit seinen Brüdern Anton, David und Leonhard einen Gesellschaftsvertrag ab. 1542-1544 war er am Bergbau im Rauriser Revier (Salzburg) beteiligt und seit etwa 1552 betrieb er gemeinsam mit einheimischen Gewerken Bergwerke in Tirol. Beteiligte sich auch am Mansfelder Kupfergeschäft seines Vetters. Verluste im Montanbereich führten 1564 zum Bankrott der Firma. Melchior Manlich (* 1513, † 1576), Bruder des Matthäus, heiratete 1543 eine Tochter Anton Haugs und wurde Teilhaber der Haug-Langnauer-Linck. 1562 gründete er eine eigene Firma, an der seine Schwiegersöhne Philipp Welser und Karl Neidhart beteiligt waren. Übernahm 1563 gemeinsam mit den Katzbeck für 314.000 fl die Neusohler Kupferpacht. Stieg seit 1571 von Marseille aus mit sieben eigenen und zwei gecharterten Schiffen in den direkten Handel mit dem östlichen Mittelmeer ein und durchbrach dadurch das Monopol des venezianischen Levantehandels. Die Firma exportierte Textilien und Metallwaren und importierte Baumwolle, Gewürze, Indigo und orientalische Luxuswaren (Teppiche, Seide, Juwelen) aus Konstantinopel, Alexandria, Tripoli und Aleppo. An der Finanzierung dieses Seehandels waren die mit Manlich verschwägerten Memminger Dettighofer mit einem großen Darlehen beteiligt. Der aus Ulm stammende Faktor Hans Ulrich Krafft und Leonhard Rauwolf, die beide in Diensten Manlichs standen, verfassten wichtige Augenzeugenberichte des Mittelmeerunternehmens. 1574 Bankrott (rund 700.000 fl Schulden). Manlich floh aus Augsburg und starb in der Oberpfalz.
  • Manlichstraße (Links der Wertach-Süd, Amtlicher Stadtplan H 7).

Richard Ehrenberg, Das Zeitalter der Fugger 1, 1896, 224-226; Anton Werner, Die örtlichen Stiftungen für die Zwecke des Unterrichts und der Wohltätigkeit in der Stadt Augsburg, 1899, 34 f.; Ludwig Scheuermann, Die Fugger als Montanindustrielle in Tirol und Kärnten, 1929, 52-76; André-E. Sayous, Le commerce de Melchior Manlich et Cie d'Augsbourg à Marseille et dans toute la Méditerranée 1571-1574, in: Revue historique 176 (1935), 389-411; Jakob Strieder, Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Forschungen zur Entstehung der großen bürgerlichen Kapitalvermögen am Ausgange des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit, zunächst in Augsburg, 21935, 185-187; Ders., Das reiche Augsburg, 1938, 167-189; Christel Warnemünde, Augsburger Handel in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts und dem beginnenden 17. Jahrhundert, 1956, 118-133; Götz von Pölnitz, Anton Fugger, 1958-1986; Fritz-Wolfgang Ringling, 16th century merchant capitalism, Diss. Rochester 1979, 209 f.; Karl-Heinz Ludwig / Fritz Gruber, Gold- und Silberbergbau im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, 1987, 253; Hermann Kellenbenz, Kapitalverflechtung im mittleren Alpenraum, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 51 (1988), 32-35; Neue deutsche Biographie 16, 1990, 37-39; Gerhard Seibold, Die Manlich, 1995; Augsburger Eliten des 16. Jahrhunderts, 1996, 505-524.



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