Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Rauwolf

Leonhard (Rau[ch]wolf[f], * 21.6.1535 ? Augsburg, † 15.9.1596 Waitzen/Vác (Ungarn), Arzt, Botaniker, Orientreisender

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 4.1.2012)

  • Ab 1556 Studium in Wittenberg, ab 1560 in Montpellier, wo er antike und arabische medizinische und naturkundliche Werke kennenlernte. Nach der Promotion 1562 an der Universität von Valence Aufenthalte in Oberitalien und der Schweiz. Bekanntschaft u. a. mit Conrad Gesner in Zürich und Leonhart Fuchs in Tübingen. Nach der Rückkehr nach Augsburg 1565 Eheschließlung mit Regina, Tochter des Stadtarztes Ambrosius (II) Jung. Praktizierte als Arzt in Aichach und 1569/70 in Kempten, ehe er 1571 in Augsburg als Stadtarzt angestellt wurde. 1573-1576 im Auftrag Melchior Manlichs Reise durch die Länder des Vorderen und Mittleren Orients (’Aigentliche beschreibung der Raiß [...] in die Morgenländer’, Lauingen 1582, in der u. a. zahlreiche orientalische Pflanzenarten erstmals beschrieben wurden). Als überzeugter Protestant gehörte Rauwolf zu den Gegnern des Augsburger Rats im Streit um die Einführung des Gregorianischen Kalenders und das Berufungsrecht der evangelischen Prediger (Kalenderstreit) und wurde daher 1588 seines Amtes als Stadtarzt enthoben. Ging daraufhin nach Linz, wo er Stadt- und Landphysicus der oberösterreichischen Stände wurde. Starb als Feldarzt des kaiserlichen Heeres gegen die Türken an der Ruhr. Bekannt ist Rauwolf heute vor allem durch sein 4 Bände mit 972 Pflanzen umfassendes Herbarium, dessen Anlage er bereits während seines Studiums in Montpellier begonnen hatte (heute: Universitätsbibliothek Leiden). Nach ihm benannt ist die tropische Pflanzengattung Rauwolfia serpentina, aus deren Wurzel der Arzneistoff Reserpin gewonnen wird.
  • Rauwolffstraße (1965, Jakobervorstadt-Nord, Amtlicher Stadtplan K 8).

Allgemeine deutsche Biographie 27, 1888, 462-465; Franz Babinger, Leonhard Rauwolf, in: Archiv für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik 4 (1922), 148-161; Karl H. Dannenfeldt, Leonhard Rauwolf, 1968; Fritz Junginger, Leonhard Rauwolf, 1969; Welt im Umbruch 1, 1980, 337-339, 2, 1981, 479 f.; Siegmund Seybold, Luca Ghini, Leonhard Rauwolff und Leonhart Fuchs: Über die Herkunft der Aquarelle im Wiener Kräuterbuchmanuskript von Fuchs, in: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg 145 (1990), 239-264; Neue deutsche Biographie 21, 2003, 217 f.; Swetlana Beloschnitschenko, Deutschsprachige Pilger- und Reiseberichte des 15. und 16. Jahrhunderts, 2004; Mark Häberlein, Mehrerley Secten vnnd Religionen. Der Augsburger Arzt Leonhard Rauwolf und die Erfahrung religiöser Vielfalt im 16. Jahrhundert, in: Geschichte in Räumen, 2006, 225-240; Ders., Fremdsprachen in den Netzwerken Augsburger Handelsgesellschaften des 16. und frühen 17. Jahrhunderts, in: Fremde Sprachen in frühneuzeitlichen Städten, 2010, 23-44; Ders., Botanisches Wissen, ökonomischer Nutzen und sozialer Aufstieg im 16. Jahrhundert. Der Augsburger Arzt und Orientreisende Leonhard Rauwolf, in: Humanismus und Renaissance in Augsburg, 2010, 101-116; Simone Herde / Tilmann Walter, Neues zur Biographie des Augsburger Arztes und Orientreisenden Leonhard Rauwolf (1535?-1596), in: Sudhoffs Archiv 94 (2010), 129-156.

Rauwolfia



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