Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schaezler

Bankiers- und Unternehmerfamilie

Von: Dr. Gode Krämer (1-2, 4) / Günther Grünsteudel (1-3) (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1) Johann Lorenz Freiherr von, * 15.9.1762 Ansbach, † 19.3.1826 Augsburg. Sohn eines markgräflich ansbachischen Wundarztes. Nach Besuch des dortigen evangelischen Gymnasiums 16-jährig Kaufmannslehre in Frankfurt. Stationen in Aachen (ab 1785) und Trarbach/Mosel (ab 1789). 1791 Eintritt zunächst als Handlungsgehilfe in das Augsburger Bankhaus von Benedikt Adam Liebert, dessen Tochter Marianna Barbara (1768-1838) er 1793 heiratete. Am 1.1.1800 gründete er sein eigenes Bankgeschäft, das schon bald überaus erfolgreich war und ihn zu einem sehr angesehenen Bürger aufsteigen ließ. 1805 führendes Mitglied einer Abordnung der Reichsstadt, die mehrfach (in Augsburg und Mühldorf/Inn) mit Napoleon verhandelte. Seit 1807 Kreditgeber des Königreichs Bayern, im gleichen Jahr königlicher Finanzrat. Übernahm nach dem Tod Lieberts 1810 dessen Geschäft und erwarb 1821 auch dessen Haus (Schaezlerpalais). Seit 1818 Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten; Abgeordneter der Stadt in der ersten bayerischen Ständeversammlung. Verfügte 1820 über ein Vermögen von rund 2,15 Mio. Gulden. 1821 Erhebung in den Freiherrenstand. 1822 u. a. Erwerb der Hofmarken Sulzemoos (Dachau) und Scherneck (bei Augsburg). Im selben Jahr Initiator der ’Augsburgischen Ersparniss-Kasse mit Verzinsung’ (Stadtsparkasse Augsburg). Gründer wohltätiger Stiftungen, unterhielt u. a. 1814-1825 eine Armenschule und stiftete 1822 25.000 Gulden für das evangelische Waisenhaus.
  • 2) Ferdinand (Benedikt) Freiherr von, * 8.6.1795 Augsburg, † 1.8.1856 München. Sohn von 1), seit 1811 im väterlichen Bankhaus tätig, das er zunächst zusammen mit seinem Bruder Ludwig Carl weiterführte. Verheiratet mit Emilie, der Tochter des Augsburger Bankiers Johann Christian von Froelich. 1829 Übersiedlung nach München, wo er ein eigenes Kontor eröffnete. 1835 königlich bayerischer Kammerherr und Rückkehr nach Augsburg. Seit 1836 Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten. 1837-1848 Mitglied der bayerischen Abgeordnetenkammer. 1837 Mitbegründer der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei. Mitglied des Landrats und Landtags. 1842-1854 erster Vorstand der Handelskammer für Schwaben und Neuburg (Industrie- und Handelskammer). 1845 Teilhaber und bis 1852 Aufsichtsratsvorsitzender der Augsburger Kammgarn-Spinnerei. Nach 1848 erneute Übersiedlung nach München. Errichtete 1854 in Augsburg eine Waisen- (20.000 Gulden) und eine Diakonissen-Stiftung (10.000 Gulden). Das Bankhaus erlosch 1861.
  • Schaelzerstraße (Bahnhofs- und Bismarckviertel, Stadtjägerviertel, Amtlicher Stadtplan I 8/9), benannt nach 1) und 2).
  • 3) (Johann Lorenz) Constantin Freiherr von, * 7.5.1827 Augsburg, † 19.9.1880 Interlaken (Schweiz), Jurist, katholischer Theologie. Ältester Sohn von 2). Gymnasium bei St. Anna. Ab 1844 Jurastudium in Erlangen (Dr. iur.), München und Heidelberg. 1850 in Brüssel Konversion zum Katholizismus. Studium der katholischen Theologie in Brüssel und Löwen. 1851-1857 (und ab 1878) Jesuit. 1856 Priesterweihe, ab 1857 Weltpriester in Bayern. 1859 Dr. theol. in München. 1861/62 Repetent am Priesterseminar in Osnabrück, dort ein Jahr lang Dominikaner. 1862 Habilitation und 1863-1873 Privatdozent für Dogmengeschichte in Freiburg/Breisgau. Seit 1869 theologischer Berater beim 1. Vaticanum. Seit 1873 in verschiedenen römischen Kongregationen als Konsultor tätig. Päpstlicher Hausprälat. Grenzte sich als Vertreter des Neothomismus von der Theologie der katholischen Tübinger Schule (besonders Johann Ev. von Kuhn) scharf ab.
  • 4) Wolfgang Freiherr von, * 23.4.1880 Augsburg, † 5.6.1967 Augsburg. Gymnasium bei St. Anna und humanistisches Gymnasium in Ansbach. Jurastudium in Berlin, Würzburg und München (1905 Dr. iur.). Danach Verwaltung der eigenen Güter. Aufsichtsrat der Augsburger Kammgarn-Spinnerei. Naturschutzbeauftragter des Landkreises Aichach. 1958 Übergabe des Schaezlerpalais an die Stadt zum Gedenken an seine beiden im Zweiten Weltkrieg gefallenen Söhne. Ehrenbürger von Sulzemoos (Dachau) und Rehling (bei Augsburg) und der Stadt Augsburg (1958). Bayerischer Verdienstorden.

(1-2) Anton Werner, Die örtlichen Stiftungen für die Zwecke des Unterrichts und der Wohltätigkeit in der Stadt Augsburg, 1899; Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 3, 1954, 369-388; Wolfgang Zorn, Handels- und Industriegeschichte Bayerisch-Schwabens 1648-1870, 1961; Ders. / Leonhard Hillenbrand, Sechs Jahrhunderte schwäbische Wirtschaft, 1969; Winfried Müller, Johann Lorenz von Schaezler, in: Unternehmer - Arbeitnehmer. Lebensbilder aus der Frühzeit der Industrialisierung in Bayern, 21987, 107-115.
(3) Allgemeine deutsche Biographie 30, 1890, 649-651; Lexikon für Theologie und Kirche 9, 21964, 375; Franz Kreuter, Person und Gnade, 1984; Hugo Ott, Constantin von Schaezler und Olga von Leonrod, in: Historia socialis et oeconomica. Festschrift für Wolfgang Zorn zum 65. Geburtstag, 1987, 308-315; Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 8, 1994, 1559-1561.
(4) Augsburger Allgemeine, 6.6.1967.

Johann Lorenz von Schaezler



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