Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Scheidlin

(Schaitler, Scheitlin, Schytlin, von Scheidlin), Kaufmanns- und Patrizierfamilie

Von: Dr. Peter Geffcken (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1396 bis ins 18. Jahrhundert in Augsburg nachweisbar; 1492 Herrenstube; 1705 Reichsadel; 1733 Aufnahme ins Patriziat. Die Augsburger Quellen nennen 1422-1437 einen Weber Claus (I), der zuletzt ein bescheidenes Vermögen von knapp 150 fl versteuerte. 1438 musste er wegen ’spott wort’ gegen den bayerischen Herzog Augsburg verlassen. Seine Frau erscheint mit marginalen Beträgen weiterhin in den Steuerbüchern. Ab 1451 steuert bei ihr der Sohn Claus (II, † 1472/79). Sein ’Startkapital’ (1451: 960 fl Anschlagvermögen) stammte zum größten Teil aus der Mitgift seiner Frau, der Tochter des Johann (I) Linck. Der rasante Anstieg seines Anschlagvermögens (1466: 4400 fl, 26. Stelle) resultierte erkennbar aus Handelstätigkeit, obwohl konkrete Belege aus dieser Zeit fehlen. 1469 gab er sein Bürgerrecht auf und übersiedelte nach St. Gallen, wo er 1470 mit 5500 Pfund veranlagt wurde. Im gleichen Jahr Besucher der Nördlinger Messe. Die Firma wurde von den Söhnen unter Leitung des ältesten, Nikolaus (III, † 1509), weitergeführt; 1480 versteuerten sie zusammen 12.240 Pfund. Wohl schon seit den 1490er Jahren waren an der Firma nur noch Nikolaus, Sebold, Paul und Ulrich beteiligt, die 1503 ausdrücklich als Gesellschafter genannt werden. Als wichtiges Geschäftsfeld ist der Handel mit Leinwand fassbar, die besonders über Nürnberg abgesetzt wurde. Belegt sind auch Geschäftsbeziehungen nach Leipzig, Krakau, Wien und Lyon. Besondere Bedeutung besaß weiterhin Augsburg; die Kontakte wurden intensiv gepflegt. Zwei Schwestern heirateten 1481 und 1484 Augsburger Kaufleute. Als Sebold († 1525/26) 1492 nach Augsburg übersiedelte, verfügte die Gesellschaft hier wieder über ein festes Standbein. Bürgerrecht und Stubenfähigkeit hatte er durch Heirat mit Ursula Lauginger (Schwägerin Ulrich Fuggers) erworben. In der Folge betrauten die Fugger die Scheidlin mit der Wahrnehmung ihrer Interessen in St. Gallen, so 1502-1508, als Nikolaus Scheidlin in ihrem Auftrag große Mengen Silber ausmünzen ließ. Wie lange die Gesellschaft bestand, ist nicht geklärt, der letzte sichere Beleg datiert von 1515. Sebold starb ohne Söhne, sein Vermögen fiel an den Schwiegersohn Ulrich Rehlinger. Danach war die Familie für längere Zeit nicht in Augsburg vertreten. Wohl erst im 17. Jahrhundert ließ sich wieder ein Zweig der Familie, nach Stetten Nachkommen von Sebolds Bruder Nikolaus (III), in Augsburg nieder und wurde nach Erhebung in den Adelsstand 1733 ins Patriziat aufgenommen.

Paul von Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, 1762, 351 f.; Hans Conrad Peyer, Leinwandgewerbe und Fernhandel der Stadt St. Gallen von den Anfängen bis 1520 1, (1959), 377, 423, 429, 433, 515; 2 (1960), 44 f., 78 f.; Hans Schenk, Nürnberg und Prag, 1969, 139; Eduard Zimmermann, Augsburger Zeichen und Wappen, 1970, 4267-4269; Fritz Peter Geffcken, Soziale Schichtung in Augsburg 1396-1521, 1995, München Diss. 1983, 148, Anh. 93-212.



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