Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Textilviertel

Von: Prof. Dipl.-Ing. Wilhelm Ruckdeschel / Redaktion (Stand: 22.12.2011)

  • Das Textilviertel umfasst ein etwa 180 ha großes Gebiet in den Stadtbezirken Am Schäfflerbach und Wolfram- und Herrenbachviertel. Das schon in vorindustrieller Zeit von Bleichern und Färbern genutzte ’mittlere Lechgries’ zwischen Rotem Tor, Jakobertor und Lech wurde im 19. Jahrhundert zum Hauptstandort der Augsburger Textilindustrie (Augsburger Kammgarn-Spinnerei, Martini & Cie., Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei, Neue Augsburger Kattunfabrik). Nach deren Niedergang ab den späten 1950er Jahren überließ die Stadt das Schicksal der einzigartigen Bausubstanz im Textilviertel weitgehend Konkursverwaltern und Spekulanten. Die Folge eines schleichenden, von der Öffentlichkeit über lange Zeit unbeachteten Veränderungsprozesses war der Verlust vieler bedeutsamer Baudenkmäler der Industriegeschichte. Dominante Fabrikbauten in repräsentativer Architektur (z. B. Fabrikschloss, Glaspalast), Unternehmervillen (z. B. Haag-Villa, Thormann-Villa) und Werkssiedlungen (z. B. Proviantbachquartier) sowie Klein-Wasserkraftwerke an den energiereichen Lechkanälen bilden aber trotzdem noch immer ein denkmalpflegerisch einzigartiges Ensemble. Trotz eines spürbaren Wandels in der öffentlichen Wahrnehmung in den vergangenen Jahren ist das Textilviertel auch heute noch von Strukturproblemen und Modernisierungsbestrebungen bedroht. Sichtbares Zeichen dieser veränderten öffentlichen Wahrnehmung ist die Wahl des Textilviertels als Standort für das 2010 eröffnete Staatliche Textil- und Industriemuseum.

Josef Graßmann, Die Entwicklung der Augsburger Industrie im 19. Jahrhundert, 1894, 40-97; Wilhelm Ruckdeschel, Technische Denkmale in Augsburg, 1984, 110-122; Entwicklungskonzept für das Textilviertel, 1989; Astrid Debold-Kritter, Schutzwürdige Industrielandschaft, in: Stadtbauwelt 80 (1989), 2310-2315; Dies., Das Textilviertel in Augsburg, in: Beiträge zur Denkmalkunde, 1991, bes. 226 f.; Augsburg zu Fuß, 114-126; Das Textilviertel, 1995.

Shedhalle der Kammgarn-Spinnerei im Textilviertel



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