Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Ulrich

Von: Prof. Dr. Georg Kreuzer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • 1) Ulrich (I.), * wohl 890 Augsburg, † 4.7.973 Augsburg, Bischof von Augsburg 923-973, Heiliger. Entstammte der alemannischen Adelssippe der Hupaldinger, die mit mehreren schwäbischen Herzögen und über die Kaiserin Adelheid auch zur ottonischen Herrscherfamilie verwandt war. In St. Gallen erzogen, amtierte der Grafensohn schon unter Bischof Adalbero als Kämmerer. Bei dessen Nachfolge übergangen, wurde er nach dem Tod Bischof Hiltines von König Heinrich I. auf Bitten Herzog Burchards I. von Schwaben, eines Verwandten, zum Oberhirten von Augsburg ernannt und in Mainz geweiht. Sofort nach seinem Amtsantritt ließ er den von den Ungarn (vielleicht bei deren Einfall 913) zerstörten Dom neu errichten. Das von unzureichenden Wällen und Holzzäunen umgebene Augsburg sicherte er durch einen Mauerring. Während des sogenannten Liudolfaufstandes (953-955), als fast der ganze schwäbische und bayerische Adel von König Otto I. abgefallen war, stand Ulrich treu zu ihm, weshalb die Aufständischen Augsburg plünderten und besetzten. Vermittelte 954 mit Bischof Hartpert von Chur einen Waffenstillstand zwischen Otto I. und dessen Sohn Liudolf. Als 955 die Ungarn Bayern und Schwaben verwüsteten und dabei auch St. Afra einäscherten, verteidigte Ulrich umsichtig seine Bischofsstadt. Entgegen der späteren Legendenbildung kämpfte er wohl durchaus auch selbst mit. Die Verteidigung Augsburgs, die Kräfte des ungarischen Heeres band, war sicher entscheidend für den epochalen Sieg Ottos I. in der Lechfeldschlacht am 10.8.955. Anstelle der zerstörten Afrakirche entstand auf Ulrichs Initiative ein Neubau, in dem er für sich eine Grablege errichten ließ. Gründete 968 außerhalb der Stadtbefestigung das Kanonissenstift St. Stephan und ein Spital (Heilig-Geist-Spital). Trotz seines Einflusses bei Otto I. konnte er seinen Neffen Adalbero nicht als Nachfolger durchsetzen. Seine Biographie verfasste der Augsburger Dompropst Gerhard. Die Echtheit der nur in einer Abschrift des 15. Jahrhunderts überlieferten Kanonisationsbulle (993), derzufolge Ulrich der erste durch den Papst in Rom Heiliggesprochene wäre, ist jüngst mit gewichtigen Argumenten bezweifelt (Schimmelpfennig, Wolf), aber auch heftig verteidigt (Hehl) worden. Vgl. auch Ulrichsplatz.
  • 2) Ulrich (II.) von Schönegg, † 25.7.1337 Augsburg, Bischof von Augsburg 1331-1337. Entstammte dem Reichsministerialengeschlecht von Schönegg (heute Oberschönegg/Illertissen). Ab 1288 Domkanoniker, 1298-1305 Archidiakon in Augsburg. 1302 betraute ihn Bischof Wolfhard von Roth, ein Verwandter, mit der Verwaltung des Klosters St. Ulrich und Afra. Vermutlich auf Druck Ludwigs IV. gewählt, konnte er sich gegen den von Papst Johannes XXII. ernannten Nikolaus von Frauenfeld durchsetzen. 1336/37 Reichskanzler. 1334 Beginn der Umgestaltung des Doms, in dem er auch begraben wurde.

(1) Die Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Augsburg 1, 1985, 102-159 (mit Nachträgen); Gerd Althoff, Amicitiae und pacta, 1992, 295-306; Bischpf Ulrich von Augsburg, 1993; Gerhard von Augsburg, Vita Sancti Uodalrici, 1993; Bernhard Schimmelpfennig, Afra und Ulrich, oder: Wie wird man heilig?, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 86 (1993), bes. 28-35; Günter Hägele / Anton Schneider, Vita Sancti Udalrici, 1993; Gunther Wolf, Die Kanonisationsbulle von 993 für den hl. Oudalrich von Augsburg und Vergleichbares, in: Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 40 (1994), 85-104; Ernst-Dieter Hehl, Lucia/Lucina, die Echtheit von JL 3848, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 51 (1995), 195-211. (2) Friedrich Zoepfl, Das Bistum Augsburg und seine Bischöfe im Mittelalter, 1955, 275-284.

Bischof Ulrich I (Holzschnitt, 1516)



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