Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Wallersee-Larisch

Marie Louise Elisabeth von, * 24.2.1858 Augsburg, † 4.7.1940 Augsburg

Von: Redaktion (Stand: 20.6.2013)

  • Tochter der Schauspielerin Henriette Mendel und Herzog Ludwigs in Bayern, einem Bruder der Kaiserin Elisabeth von Österreich, der als Offizier in Augsburg stationiert war. Erst nach Erhebung zur Freifrau von Wallersee (1859) konnte ihre Mutter den Herzog heiraten. Die Familie lebte in Augsburg, München und Garatshausen am Starnberger See. Als Nichte der Kaiserin kam Marie Louise später an den Wiener Hof. 1889 wurde die Vertraute der Baronesse Marie Vetsera wegen Mitwisserschaft um den gemeinsamen Selbstmord von Kronprinz Rudolf und seiner erst 17-jährigen Geliebten auf Schloss Mayerling vom Hof verbannt. Man schob ihr die Alleinschuld an der Verzweiflungstat des jungen Paares zu; eine Chance, sich zu verteidigen, erhielt sie nicht. Graf Larisch, mit dem sie seit 1877 verheiratet war, ließ sich 1896 scheiden. 1897 ehelichte sie den Münchner Kammersänger Otto Brucks (1858-1914). Zur Finanzierung ihres aufwendigen Lebensstils erwog sie, ihre Kenntnisse über das Kaiserhaus zu veröffentlichen, was Kaiser Franz Joseph durch Geldzahlungen verhinderte. Im Ersten Weltkrieg war sie als Rotkreuzschwester an der Westfront und als Operationsschwester in München tätig. 1920 wirkte sie in einem Stummfilm über Kaiserin Elisabeth mit, in dem sie sich selbst spielte. 1924 übersiedelte sie nach Florida, wo sie einen Immobilienmakler heiratete, der sich jedoch als Heiratsschwindler entpuppte und sie misshandelte. 1926 floh sie nach New Jersey und arbeitete als Köchin und Putzfrau. 1929 kehrte sie nach Augsburg zurück; ab September 1930 bewohnte sie eine kleine Wohnung in der Arnulfstraße 17 (Pfersee). Vom Haus Wittelsbach bezog sie eine kleine Rente und starb völlig verarmt im St. Servatius-Stift, wo sie ihr letztes Lebensjahr verbracht hatte. Beigesetzt wurde sie auf dem Münchener Ostfriedhof neben ihrem Vater. Viele Jahrzehnte blieb ihr Grab anonym. Erst 2012 wurde ein einfaches Holzkreuz mit einer kleinen Namenstafel angebracht. Sie hinterließ eine Reihe von autobiographischen Schriften, darunter 'Meine Vergangenheit' (Berlin 1913, 21937) und  'Kaiserin Elisabeth und ich ' (Leipzig 1935), in denen sich Dichtung und Wahrheit gegenüberstehen. Zuletzt arbeitete sie an einem Buch über 'Kronprinz Rudolf und Mayerling'; nach ihrem Tod wurde das Manuskript von der Gestapo beschlagnahmt und ist seitdem verschollen.

Brigitte Sokop, Jene Gräfin Larisch, 42006; Augsburger Frauenlexikon, 2006, 158 f.



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