Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Weiditz

Künstlerfamilie

Von: Dr. Tilman Falk (1) / Günther Grünsteudel (2) (Stand: 22.5.2013)

  • 1) Hans d. J., * um 1495 Straßburg oder Freiburg/Br., † um 1536 Straßburg, Maler (?), Zeichner für Holzschnitte. Offenbar Sohn des aus Straßburg stammenden Bildschnitzers Hans Weiditz (Wydyz) d. Ä., der 1497-1516 in Freiburg/Breisgau nachweisbar ist. Vermutlich um 1518 - 1521 Schüler oder Geselle von Hans Burgkmair in Augsburg. Schuf Holzschnitte für Buchillustrationen von märchenhafter Poesie, stilistisch beeinflusst von Burgkmair, jedoch durch detailreichen Realismus, Beobachtung des Alltäglichen über diesen hinausgehend. Hauptwerk in Augsburg die 1519/20 geschaffenen 261 Illustrationen zu Petrarcas 'Von der Artzney bayder Glück', die erst 1532 bei Heinrich Steiner gedruckt wurden. Ab 1522/23 wieder in Straßburg nachweisbar, wo sich von da an bis 1530 weitere Buchholzschnitte von ihm, meist Titelrahmen reformatorischen Inhalts, nachweisen lassen. Der einzige bekannte Großauftrag, der den Namen des Künstlers nennt, blieb die Illustrierung von Otto Brunfels’ Kräuterbuch (Herbarum Vivae Icones, 3 Bde., 1530-1536). Die von Röttinger (1904) aufgestellte und bis heute vielfach bestrittene These einer Identität des nicht namentlich genannten 'Petrarca-Meisters' mit Weiditz hat sich, auch durch bessere Kenntnis der stilgleichen frühen Straßburger Werke, inzwischen durchgesetzt.
  • 2) Christoph, * um 1500 Straßburg oder Freiburg/Br., † 1559 Augsburg, Medailleur, Bildschnitzer, Goldschmied. Bruder von 1). 1523-1525 in Straßburg, 1525/26 in Ulm und Oettingen erwähnt. 1526-1529 erster Aufenthalt in Augsburg, 1529 im Gefolge Kaiser Karls V., seines Gönners, in Spanien. 1530 anlässlich des Reichstags wieder in Augsburg. Im gleichen Jahr kaiserliches Privileg, ohne Meisterprüfung arbeiten zu dürfen. Im November 1530 im Gefolge des Kaisers in den Niederlanden. 1532 Meisterrecht in Augsburg. Verheiratet mit der Schwester Joachim Forsters. Neben seiner Haupttätigkeit als Medailleur (Bildnismedaillen) war er vor allem als Kleinplastiker tätig. Eine der vielseitigsten Persönlichkeiten unter den deutschen Medailleuren des 16. Jahrhunderts.

(1) Heinrich Röttinger, Hans Weiditz, der Petrarcameister, 1904; Hans Koegler, Die Überlieferung vom Namen des Hans Weiditz in: Oberrheinische Kunst 1 (1926), 78 ff.; Theodor Musper, Die Holzschnitte des Petrarcameisters, 1927; Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler 35, 1942, 269-271; 37, 1950, 270 f.; Walter Scheidig, Die Holzschnitte des Petrarca-Meisters zu Petrarcas Werk, 1955; Jean Wirth, Hans Weiditz. Illustrateur de la Reforme a Strasbourg, in: Von der Macht der Bilder, Leipzig 1983, 299-318; Hans-Joachim Raupp, Die Illustrationen zu Francesco Petrarca 'Von der Artzney bayder Glueck des guten vnd widerwertigen' (Augsburg 1532), in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 45 (1984), 59-112; Frank Muller, Hans Weiditz, in: Bibliotheca dissidentium 21 (2001), 197-227.
(2) Leonard S. Forrer, Biographical dictionary of medallists 4, 1908, 423; 8, 1930, 255-265; Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler 35, 1942, 268; Welt im Umbruch 2, 1980, 205-209; A. Schädler, Zur Kleinplastik von Christoph Weiditz, in: Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst 3. Folge 38 (1987), 161-184; Peter Volz ; Christoph Jokisch, Christoph Weiditz, in: Dies., Emblems of eminence, 2008, 55-67.

Hans Weiditz: Holzschnitt aus: Cicero, Officia. Augsburg, 1531



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