Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Zeughaus

(Zeuggasse 6)

Von: Prof. Dr. Bernd Roeck / Redaktion (Stand: 18.3.2011)

  • Ehemaliges städtisches Waffenarsenal. Ein erstes Zeughaus lag nahe dem Katzenstadel und wurde 1501 zusammen mit dem Geschützgießhaus neu erbaut. 1584, nach den Unruhen des Kalenderstreits, ließ der Rat das Kornhaus bei St. Moritz in ein Zeughaus umwandeln. Jakob Eschey begann 1589 mit einem im rechten Winkel zum alten Kornhaus (heute Südflügel) gelegenen Neubau. Wegen bautechnischer Schwierigkeiten übernahm 1602 Elias Holl die Bauleitung. Der zweiflügelige, firstgleiche Gebäudekomplex mit Treppenturm im Gelenk wurde 1607 fertiggestellt. Die Hofseiten wurden ursprünglich durch eine hohe Umfassungsmauer eingefasst, heute Gitterzaun mit Trophä­enportal. Die erhaltenen kreuzgratgewölbten Hallen im Erdgeschoss ruhen im Südflügel auf gemauerten achteckigen Pfeilern, im Ostflügel, einer dreischiffigen Halle mit zehn Jochen, auf Säulen, die nach der toskanischen Ordnung gestaltet sind (’Toskanische Säulenhalle’). Zur Gestaltung der Ostfassade wurde Joseph Heintz hinzugezogen. Hans Reichle entwarf die von manchen Zeitgenossen als gegenreformatorische Demonstration empfundene Bronzegruppe des sieghaften Erzengels Michael, den Guss führte Wolfgang Neidhart aus. Nach der Mediatisierung diente das Zeughaus zunächst als Artillerie-Depot (Garnison) und nach 1895 als städtische Hauptfeuerwache (Feuerwehr). 1897 wurde die Front an der Zeuggasse neu gestaltet. Bestrebungen, das Zeughaus in den Komplex des Kaufhauses Merkur einzubeziehen (1965), scheiterten am Widerstand von Bevölkerung und Staatsregierung. Das 1978-1980 restaurierte Zeughaus beherbergt heute u. a. die Volkshochschule und ein Restaurant. Mit der Toskanischen Säulenhalle verfügt die Stadt über ein weiteres repräsentatives Ausstellungslokal, in dem u. a. die alljährliche Große Schwäbische Kunstausstellung gezeigt werden.
  • Zeuggasse und Zeugplatz (Historische Bezeichnungen, Innenstadt, Amtlicher Stadtplan I, K 9); die Zeuggasse hieß früher Pfaffengasse.

Böttger, P., Schützl, L., Zur Gesamtrestaurierung des Zeughauses in Augsburg, in: Jahrbuch der bayerischen Denkmalpflege 34 (1980), 118-126; Bernd Roeck, Anmerkungen zum Werk des Elias Holl, in: Pantheon 3 (1983), 222 ff.; Ders., Elias Holl, 1985, 97-116; Elias Holl und das Augsburger Rathaus, 1985, 339 f.; Bernt von Hagen / Angelika Wegener-Hüssen, Stadt Augsburg, 1994, 476 f.; Dorothea Diemer, Hans Reichle: ein Modello für die Augsburger Zeughausgruppe und Werkstattfragen, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst 3. Folge, 57 (2006), 31-56; Renate Miller-Gruber / Gode Krämer, 400 Jahre Augsburger Zeughaus, 2007.

Zeughaus damals...

...und heute



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