Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Zweiter Weltkrieg

Von: Dr. Gerhard Hetzer (Stand: 2. Auflage Druckausgabe)

  • Die kriegerischen Auseinandersetzungen begannen am 1.9.1939 mit dem Angriff der Wehrmacht auf die polnischen Streitkräfte, nachdem sich der politische Konflikt um den sogenannten Danziger Korridor (Zugang Polens zur Ostsee) zugespitzt hatte. Der Kampf zwischen den Achsenmächten und den Alliierten nahm 1941 weltweite Dimensionen an und endete schließlich im Mai bzw. September 1945 mit der bedingungslosen militärischen Kapitulation des Deutschen Reiches und Japans. Als eines der süddeutschen Zentren der Rüstungsindustrie und als Garnison war Augsburg in vielfältiger Weise in das Kriegsgeschehen einbezogen. Augsburger Truppenteile (27. Infanteriedivision) waren am Polen- und Frankreichfeldzug beteiligt, seit 1941 in Russland. Erste (englische) Luftangriffe im August und September 1940 mit wenigen Opfern, am 17.4.1942 Tagesangriff mit schweren Schäden bei der MAN. Seit 1942 machte sich eine zunehmend verschärfte Beschäftigungslage durch Einberufungen bemerkbar. Es wurden Dienstverpflichtete (viele Frauen), ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene, aber auch Lagerhäftlinge (Konzentrationslager) eingesetzt. Gewaltige Ausweitung der Rüstungsindustrie (vor allem bei Messerschmitt und M.A.N.); gleichzeitig Schrumpfung der Textilindustrie, Pläne zur völligen Stilllegung wurden aber 1943 aufgegeben. Schließungsaktionen im Bereich des Einzelhandels 1943. Laufende Ausweitung der Arbeitszeit und – wie etwa 1944 – ’Auskämm-Aktionen’ zur Mobilisierung weiterer Kräfte für Militär und Rüstungseinsatz, z. T. unter Einschaltung der NSDAP. Das Bewirtschaftungssystem garantierte – im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg – den Lebensunterhalt, wenn auch auf bescheidener Höhe: Seit September 1939 (bis 1950) Tätigkeit der Ernährungsämter A (Bedarfsdeckung, organisiert durch den Reichsnährstand) und B (Verbrauchsregelung). Das Ernährungsamt B bei der Stadtverwaltung kontrollierte die Belieferung der Abgabestellen und den Rücklauf der Lebensmittelmarken; ähnliche Aufgaben erfüllte das Wirtschaftsamt für die sonstigen bezugsscheinpflichtigen Waren. Schwerste Luftangriffe auf Augsburg am 25./26.2. und 16.3.1944, am 15.1., 27.2. und 1.3.1945 unter Zerstörung von rund 25 % des Wohnraums sowie zahlreicher historischer Bauten und Kunstwerke. Ende Februar 1944 gab es rund 85.000 Obdachlose, meist Unterbringung in ländlichen Gebieten, ebenso Evakuierung der meisten Schulkinder (Kinderlandverschickung). Dezentralisierungsaktionen (Verlagerungen) der kriegswichtigen Industrie. Im Herbst 1944 Aufstellung des Volkssturms aus Männern zwischen 16 und 60 Jahren als letztem Aufgebot. Nachdem die US-Streitkräfte am 22.4.1945 die Donau bei Dillingen überquert hatten, stießen sie rasch in Richtung Augsburg-München vor. Am 28.4.1945 wurde Augsburg nahezu kampflos eingenommen, die Reste von Wehrmachts- und SS-Einheiten hatten sich bereits in Richtung Friedberg-Mering zurückgezogen (Augsburger Freiheitsbewegung). Die Zahl der gefallenen, vermissten und verstorbenen Soldaten aus Augsburg belief sich auf über 9500 (davon 4900 im Feld), die der Bombenopfer auf 1500.

Wolfgang Domarus, Nationalsozialismus, Krieg und Bevölkerung, 1977; Karl Filser / Peter Sobczyk, Augsburg im Dritten Reich, in: Geschichte der Stadt Augsburg von der Römerzeit bis zur Gegenwart, 21985, 631-635; Gerhard Hetzer, Das Dritte Reich, Schicksalsjahre auch für Augsburg, in: 2000 Jahre Augsburg, 1984, 396-409; Joachim Brückner, Kriegsende in Bayern 1945, 1987; Kellerwohnung und Persilschein, 1995; Kriegsende und Neuanfang in Augsburg, 1996.

Zerstörte Innenstadt

Gedenktafel auf dem Westfriedhof für die Opfer der Konzentrationslager



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