Stadtlexikon Augsburg - Nachschlagewerk zur Geschichte der Stadt Augsburg und Schwabens.
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Schaden

Von: Günther Grünsteudel (Stand: 9.9.2009)

  • 1) Joseph (Udalrich Johann Nepomuk), * 5.4.1754 Wallerstein (Ries), † 29.9.1814 München, Jurist. Ältester Sohn des oettingen-wallersteinischen Regierungsdirektors Franz Michael von Schaden (1726-1790). Nach juristischen Studien seit Dezember 1774 als Regierungsassessor in Diensten des Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein. Bereits am 22.9.1775 Ernennung zum Geheimen Hofrat. Hielt sich seit 1776 im Auftrag des Fürsten vornehmlich in Wien auf, um dort die Angelegenheiten des fürstlichen Hauses zu vertreten. Im Haus des Reichshofrats Friedrich von Mauchart lernte er Anna von Stadler kennen, mit der er am 4.11.1779 im Wiener Stephansdom getraut wurde. Kurz nach der Hochzeit zog das Ehepaar nach Wallerstein. Um die Jahreswende 1786/87 trat Schaden unter Beibehaltung seines Hofrats-Titels als Ratskonsulent in augsburgische Dienste. Anfang April 1787 machte das Ehepaar von Schaden in München die Bekanntschaft des 16-jährigen Beethoven, der mit den Schadens wenige Wochen später (26.4.) in Augsburg nochmals zusammentraf. Wegen seiner demokratischen Gesinnung und kompromisslosen Haltung machte sich Schaden in seiner neuen Stellung bald Feinde. Offen trat Schaden gegen Missstände in Regierung und Verwaltung auf, so dass er sogar als Parteigänger der Jakobiner diffamiert wurde und Stadtpfleger Paul von Stetten immer wieder Position gegen ihn bezog. Nachdem er im Herbst 1795 einige Ratsmitglieder wegen Wucherpraktiken angegriffen hatte, erhielt er am 28.1.1796 aus geringfügigem Anlass seine Entlassung. Obwohl er daraufhin als Regierungsdirektor in die Dienste des fürstlichen Hauses Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst trat, scheint er seine Augsburger Wohnung noch mindestens bis gegen Ende 1797 gehalten zu haben. Ab 1803 war er zudem hohenlohe-waldenburgischer Gesandter bei der Reichsdeputation und beim Fränkischen Reichskreis. Nachdem er sich 1793 von seiner ersten Ehefrau getrennt hatte, heiratete er 1803 die protestantische Friederike Zeiler (1780-1863). Im September 1808 wurde er als Rat an das neu geschaffene Oberappellationsgericht in München berufen. 1811/12 trat er in den Ruhestand.

  • 2) Anna (Maria), * 2.6.1763 Ebelsberg (Oberösterreich), † 17.1.1834 Regensburg, Pianistin, Ehefrau von 1). Uneheliche Tochter des Salzburger Hofkriegsratsdirektors Leopold Graf von Pranck (1728-1793). Lebte – vermutlich auf Betreiben ihres Vaters – seit 1774 in Wien im Haus des Reichshofrats von Mauchart, wo sie eine universelle Bildung und eine profunde Ausbildung als Pianistin und Sängerin erhielt. Klavierunterricht erhielt sie u. a. von dem Wallersteiner Hofmusikintendanten Ignaz von Beecke, der bei den Maucharts stets ein gern gesehener Gast war. Nach der Eheschließung mit Joseph von Schaden im November 1779 zog das junge Paar nach Wallerstein. Dort erwarb sich Anna von Schaden rasch einen guten Ruf als Pianistin. Seit 1781 erhielt sie eine jährliche Pension des fürstlichen Hauses in Höhe von 200 Gulden, die ihr wohl angesichts ihrer Rolle bei Hofe und insbesondere für ihre Mitwirkung in der Hofmusik ausgesetzt wurde, die ihr Leiter Antonio Rosetti zu hohem Ansehen geführt hatte. Mit der Pianistin und Klavierbauerin Nanette Stein (Streicher) verband sie eine enge Freundschaft, die sich nach ihrem Umzug nach Augsburg noch intensivierte. Man traf sich regelmäßig zu gemeinsamem Musizieren, ob öffentlich oder im privaten Kreis. Christian Friedrich Daniel Schubart und der nachmalige Stadtpfleger von Stetten rühmten ihr pianistisches Können. Der Berliner Hofkapellmeister Johann Friedrich Reichardt, der sie 1791 in Augsburg besuchte, bezeichnete sie sogar als die bei weitem „größte Klavierspielerinn“, die „an Fertigkeit und Sicherheit vielleicht von keinem Virtuosen übertroffen wird“. Zwei 1787/88 bei Bossler in Speyer erschienene Klavierkonzerte, deren Titelfassungen – ein Unikum in der Musikgeschichte – zwei Urheber (Anna von Schaden und Antonio Rosetti) ausweisen, stammen aufgrund stilistischer Erwägungen sicherlich in erster Linie von Rosetti; allerdings könnte er Schaden bei der Ausgestaltung des Klaviersatzes zu Rate gezogen haben. Anfang Januar 1793 trennte sich das Ehepaar Schaden offenbar in gegenseitigem Einvernehmen. Anna von Schaden zog mit ihren beiden Töchtern Maria Anna Antonia (1784-1819) und Josepha Amalia (1786-1843) zu ihrem Vater, der in Regensburg seinen Lebensabend verbrachte.

Christian Friedrich Daniel Schubart: Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst (1784/85), 1806, 169; Paul von Stetten, Kunst- Gewerb- und Handwerks-Geschichte der Reichs-Stadt Augsburg 2, 1788, 319; [Johann Friedrich Reichardt], Aus einem Briefe aus Augsburg, in: Musikalisches Wochenblatt 1791/92, Nr. IV, S. 30; Günther Grünsteudel, Zur Biographie der Pianistin Anna (Nanette) von Schaden (1763-1834), in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 101 (2007), S. 219-240.


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